Intensive Internetnutzung beeinflusse bestimmte Stirnlappengebiete der Großhirnrinde, vor allem den dorso-lateralen präfrontalen Cortex, der mit Konzentration, Problemlösungsstrategien, Erkennen und Kontrolle von Emotionen und dem Treffen von Entscheidungen in Verbindung gebracht werde, erklärte der Neurobiologe von der Technischen Universität Braunschweig am Freitag in einem Vortrag bei den Alpbacher Technologiegesprächen.
Die positive Folge: Analytische Fähigkeiten, die Geschwindigkeit bei der Bildverarbeitung im Gehirn und die Leistung, mehrere Aufgaben praktisch gleichzeitig auszuführen, werden gefördert. Je mehr verschiedene Tätigkeiten man allerdings gleichzeitig ausübe, umso mehr werde Informationsverarbeitung zu einer Last.
"Die Gehirnressourcen werden vom Informationsmüll aufgefressen", so Korte. Die größte kognitive Bremse sei dabei heute für viele Menschen, dass sie während einer Tätigkeit ständig durch Gedanken an andere, vor allem digital inszenierte Tätigkeiten wie E-Mail und soziale Netzwerke abgelenkt würden.
Eins nach dem anderen
Um diese drohenden negativen Konsequenzen zu verringern, müsse der Einsatz Neuer Medien effizienter gestaltet werden, betonte Korte. Der Nutzer solle nicht der Versuchung erliegen, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, "weil wir einfach nicht gut darin sind, Dinge parallel abzuarbeiten". Vielmehr müsse er seine Arbeit sehr genau strukturieren und festlegen, wann er etwa konzentriert an einem Problem arbeiten wolle - immerhin brauche das Gehirn nach jeder Unterbrechung 15 Minuten, um sich wieder in den Stoff einzuarbeiten.
Deshalb sollten Studenten oder Schüler auch immer ein Fach nach dem anderen erledigen. Auch soziale Netzwerke und Mails sollten in der Konzentrationsphase Tabu sein, da durch das Abschweifen laut Korte permanent Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses geteilt und damit von der ursprünglichen Aufgabe abgezogen würden.
Abschottung keine Lösung
Das bedeutet laut Korte aber nicht, dass sich Lernende generell vom Internet abschotten sollten. Immerhin hätten internetbasierte Lernformen viele Vorteile, etwa für das Fremdsprachenlernen, da sie sehr individuell auf den Lernenden eingingen und sich an sein Tempo anpassten. Reines E-Learning ist aus Kortes Sicht allerdings keine Option, da es Teilnehmern dabei extrem schwer falle, die Motivation beizubehalten.
Der Grund liegt dem Hirnforscher nach im Bedürfnis nach Lernen in einer Gruppe. "Wenn wir neue Erfahrungen machen, sind wir auch eher bereit, Neues abzuspeichern und das neu Gelernte ist auch länger abrufbar, weil die Fakten in Erlebnisse eingebunden sind."
Eine weitere Herausforderung wird laut Korte auch der Erhalt eines Bildungskanons sein: "Man sieht mit bildgebenden Verfahren, dass ein heute 20-Jähriger selbst nach simplen Fakten gar nicht mehr in seinem Gehirn sucht, sondern nach der Suchstrategie, wie er es herausfinden kann." Die negativen Folgen: Die Suche im Internet dauere länger, Quellen müssten gesichtet und nach Qualität selektiert werden und kritisches Hinterfragen sei ohne Wissen schwierig.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.