22.07.2013 13:01 |

Vergewaltigung

Polizei in Dubai zu Opfer: 'Hat es Ihnen nicht gefallen?'

Die 24-jährige Norwegerin Marte Deborah Dalelv, die nach einer Vergewaltigung in Dubai einer 16-monatigen Haftstrafe entgegensah, kommt frei und darf nach Norwegen zurück. Das wurde am Montag bekannt. Zuvor hat die Frau in einem Interview mit CNN über ihre Tortur berichtet. Ihr sei schon während der Aussage bei der Polizei klar geworden, dass ihr zunächst niemand glauben werde, so Dalelv. Schließlich sei sie dort gefragt worden: "Sind Sie sicher, dass Sie nicht die Polizei gerufen haben, weil es Ihnen einfach nicht gefallen hat?"

Wie Norwegens Außenminister Espen Barth Eide am Montag mitteilte, hat ein Gericht in Dubai Dalelv von allen Vorwürfen - außerehelicher Sex, öffentlicher Alkoholkonsum und Falschaussage - freigesprochen. Eide bedankte sich via Twitter bei allen Menschen, welche die Bemühungen um die Freilassung der jungen Frau unterstützt hatten.

Dalelv selbst erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: "Ich bin sehr, sehr glücklich. Ich bin entzückt." Das Büro der Staatsanwaltschaft in Dubai habe ihr ihren Reisepass zurückgegeben, sie dürfe das Land verlassen. Der norwegische Botschafter in Dubai, Ase Bjerke, sagte, es sei noch nicht entschieden, wann die junge Frau aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Hause reisen werde.

Verhängnisvoller Umtrunk mit Kollegen
Zuvor hatte Dalelv, die seit September 2011 bei einer Inneneinrichtungsfirma in Katar gearbeitet hatte, gegenüber CNN von dem verhängnisvollen Samstag im März berichtet. Sie sei mit drei Kollegen in Dubai gewesen und habe Alkohol getrunken, so Dalelv. Um drei Uhr morgens habe sie einen der drei gebeten, sie zu ihrem Hotelzimmer zu begleiten, da sie getrunken gehabt habe und das Hotel verwirrend aufgebaut sei.

Beim Zimmer angekommen, habe sie erkannt, dass es sich gar nicht um ihres handelte, erzählte die 24-Jährige gegenüber CNN. Doch ihr Kollege habe sie hineingezogen. Sie habe gedacht, sie könne die Situation beruhigen und sich wenig später verabschieden - doch so weit kam es nicht. Sie könne sich danach nicht an viel erinnern - bis sie wieder zu sich gekommen sei: "Ich bin ausgezogen aufgewacht, auf meinem Bauch liegend, und er hat mich vergewaltigt. Ich habe versucht, ihn herunterzubekommen, aber er hat mich wieder niedergedrückt."

Keine Hilfe von der Polizei
Erst ein Klopfen an der Tür - der Weckdienst des Hotels - habe ihr zur Flucht verholfen, so Dalelv. Anschließend habe sie sofort die Polizei gerufen. Zwischen zehn und zwölf männliche Polizisten seien anschließend angerückt, doch keine einzige Frau. Nachdem sowohl ihre Aussage als auch die ihres Peinigers aufgenommen worden waren, sei ihr auf der Polizeistation die Frage gestellt worden: "Sind Sie sicher, dass Sie nicht die Polizei gerufen haben, weil es Ihnen einfach nicht gefallen hat?" Sie habe daraufhin mit "Natürlich hat es mir nicht gefallen" geantwortet - doch "da wusste ich, dass sie mir überhaupt nicht glauben".

Vier Tage ohne Erklärung im Gefängnis
Daraufhin sei sie medizinisch untersucht worden, unter anderem auf Alkoholkonsum hin, und ohne Erklärung vier Tage ins Gefängnis geworfen worden, klagt die 24-Jährige an. Erst dann habe sie ihre Eltern anrufen und um Hilfe von der norwegischen Botschaft bitten können. Ein Botschaftsmitarbeiter habe am gleichen Tag ihre Freilassung erwirkt, ihr Pass sei ihr jedoch verweigert worden, um eine Ausreise zu verhindern.

Anklage nach Vergewaltigung
Bei ihrer Freilassung habe man ihr nur einen Zettel mit den Vorwürfen gegen sie in die Hand gedrückt, so Dalelv. Ihr wurden außerehelicher Sex und öffentlicher Alkoholkonsum vorgeworfen - beides Straftaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Erst da sei ihr klar geworden, dass sie sich einer Anklage gegenübersehe, berichtet die Norwegerin.

Falschaussage als zusätzlicher Anklagepunkt
Ihr Manager habe ihr geraten, der Polizei gegenüber von einvernehmlichem Sex zu sprechen, erzählte Dalelv im Interview. So werde sich die ganze Sache von selbst erledigen. Daran habe sie sich gehalten - doch daraufhin sei sie nach einer Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft zusätzlich wegen Falschaussage angeklagt worden. "Das bedauere ich am meisten, denn es war nicht freiwillig. Ich dachte nur, damit würde alles (die Anklage gegen sie; Anm.) fallengelassen", so Dalelv.

Entlassung nach einem Monat
Einen Monat nach der Vergewaltigung sei sie schließlich immer noch in Dubai festgesessen - und zudem gefeuert worden. Auch ihr Peiniger ist CNN zufolge entlassen worden - allerdings nicht wegen der Vergewaltigung, sondern weil es wegen des Alkoholkonsums zu Problemen mit der Polizei gekommen war. Ihr ehemaliger Arbeitgeber erklärte in einer Mitteilung am Samstagabend, man habe Dalelv anfangs stark unterstützt, doch sie habe "positive und konstruktive Diskussionen über ihren Angestelltenstatus" verweigert, daher habe man sie entlassen. Mit den Vergewaltigungsvorwürfen habe das nichts zu tun.

16 Monate Gefängnis drohten
Am vergangenen Dienstag wurde Dalelv schließlich wegen außerehelichen Sex, öffentlichen Alkoholkonsums und Falschaussage zu insgesamt 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie legte Berufung ein, das Verfahren hätte im September beginnen sollen. Mittlerweile wurde das Urteil jedoch aufgehoben. Die BBC berichtete, der Kollege, den die Frau angezeigt hatte und der wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs zu 13 Monaten Haft verurteilt worden war, sei ebenfalls begnadigt worden.

Dalelvs Fall sorgte für große Empörung in Norwegen und harsche Kritik Oslos an den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine Petition verlangte von der norwegischen Regierung, in dem Fall einzuschreiten. Außenminister Eide hatte am Freitagabend bereits offiziell gegen das Vorgehen der Behörden in Dubai protestiert. Zwar seien die Beziehungen zu den Emiraten gut, doch das könne sich ändern, wenn man nicht "in naher Zukunft zu einer guten Lösung" komme. "Wir glauben, dass diese Verurteilung fundamentalen Menschenrechten widerspricht", erklärte Eide.

Schon andere Vergewaltigungsopfer gestraft
Es war nicht der erste Fall vergewaltigter Ausländerinnen in den Emiraten, der für Empörung sorgte. Im Dezember 2012 wurde eine Britin nach der Vergewaltigung durch drei Männer wegen Alkoholkonsums angeklagt und mit einer Strafe belegt, berichtet CNN. Im Jänner 2010 wurde ebenfalls eine Britin nach der Vergewaltigung durch einen Hotelangestellten wegen Sex außerhalb der Ehe und Trunkenheit verurteilt. Dasselbe Schicksal ereilte eine Australierin 2008, die von zahlreichen Männern betäubt und vergewaltigt worden war - sie wurde zu elf Monaten Gefängnis verurteilt.

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