08.07.2013 09:52 |

Bei Babys

Schnupfen erhöht Risiko für Typ-1-Diabetes

Häufige Infektionen in den ersten Lebensmonaten – allen voran Erkältungsschnupfen – scheinen für ein höheres Risiko, an Typ-1-Diabetes zu erkranken, verantwortlich zu sein. Das ist zusammengefasst das Ergebnis einer deutschen Studie. Demnach machen die Infektionen anfälliger für ein späteres Auftreten von sogenannten Autoantikörpern, die die Entwicklung dieser Krankheit kennzeichnen.

Die sogenannte Insel-Autoimmunität bezeichnet die Bildung von Autoantikörpern gegen die Insulin-bildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die Erkrankung tritt am häufigsten im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf. Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München gingen daher der Frage nach möglichen Auslösern in diesem Zeitfenster nach und analysierten dafür die Daten von 148 Teilnehmern an der BABYDIET-Studie, die Angehörige mit Typ-1-Diabetes und damit ein erhöhtes Risiko für eine Insel-Autoimmunität haben.

Infektionen von den Eltern genau protokolliert
Die Eltern der Kinder hatten in deren ersten drei Lebensjahren in täglichen Infektionsprotokollen insgesamt 1.245 Infektionen in 90.750 Personentagen dokumentiert. Unterschieden wurde dabei nach Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Infektionen sowie sonstigen Infektionen. Fieber und Medikation wurden ebenfalls erfasst, zudem wurde im dreimonatlichen Abstand das Blut der Kleinkinder auf die Bildung von Autoantikörpern untersucht.

Dabei zeigte sich, dass im ersten Lebensjahr ein Zusammenhang zwischen Atemwegsinfektionen – unter Verdacht stehen insbesondere Infektionen der oberen Atemwege bei einem Erkältungsschnupfen – und einem erhöhten Auftreten von Insel-Autoantikörpern, besteht. Kinder mit späteren Insel-Autoantikörpern hatten sich mindestens zweimal im ersten Lebensjahr infiziert, hauptsächlich mit Atemwegsinfekten. Am höchsten war das Risiko für Insel-Autoimmunität bei Kindern, die im ersten Lebensjahr mehr als fünf Atemwegsinfekte durchlitten.

Summe der Infektionen ist entscheidend
Die Forscher gehen davon aus, dass wahrscheinlich nicht eine spezifische Infektion oder ein spezifisches Virus als Auslöser für Insel-Autoimmunität und Typ-1-Diabetes verantwortlich ist. Vielmehr scheint die Summe der Infektionen und der dabei freigesetzten entzündlichen Botenstoffe für das Risiko einer Autoimmunreaktion entscheidend zu sein, schreiben die Wissenschaftler, die ihre Studie in der Fachzeitschrift "JAMA Pediatrics" veröffentlicht haben.

"Die Analyse hat gezeigt, dass häufige Atemwegserkrankungen im ersten Lebensjahr ein potentieller Risikofaktor für die Entstehung von Typ-1-Diabetes sind", fasst Erstautor Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung die Ergebnisse zusammen. "Das Immunsystem ist in den ersten Lebensmonaten noch unreif, und nach einigen Monaten entfällt der passive Immunschutz durch die Mutter." Dem entspricht, dass die Anzahl der Infektionen nach den ersten sechs Lebensmonaten in der BABYDIET-Studie stark anstieg. Zu diesem Zeitpunkt traten auch die ersten Fälle von Autoimmunität auf.

Studienleiterin Anette-Gabriele Ziegler spricht sich deshalb für eine Vermeidung von multiplen Erkältungskrankheiten in früher Kindheit als präventive Maßnahme gegen Typ-1-Diabetes aus: "Die Entwicklung gezielter Impfungen oder antientzündlicher Therapien könnte besonders bei genetisch bedingten Risikopersonen zu einer gesunden Reifung des Immunsystems und somit zur Prävention von Typ-1-Diabetes beitragen."

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