Die Ärztekammer hat am Mittwoch vor einem Versorgungsengpass im österreichischen Gesundheitssystem gewarnt. Derzeit würden Patientinnen und Patienten eine „Drei-Minuten-Medizin“ statt einer „Zuwendungsmedizin“ erhalten.
Ärztinnen und Ärzten würde seitens der Sozialversicherung mit mehr Kontrollen gedroht, etwa bezüglich der Vergabe von MRTs und CTs. Die nächste Regierung müsse das Gesundheitssystem und die ÖGK „reanimieren“, sagte Ärztekammer-Vizepräsidentin Naghme Kamaleyan-Schmied in einer Aussendung.
Alleine in Wien seien 54 Kassenstellen derzeit nicht besetzt, 143 weitere seien zwar bereits vergeben, aber noch nicht „versorgungswirksam“ (Stand Jänner). Oft werde nicht gleich eine leistbare oder passende Immobilie für die Ordination gefunden. Zudem würden immer mehr Ärztinnen und Ärzte aufgrund des enormen Drucks dem solidarischen System den Rücken kehren. In Wien sei die Zahl der Kassenärztinnen und Kassenärzte um zwölf Prozent zurückgegangen, während die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner um 16 Prozent gewachsen sei.
Mehr Telemedizin, verbindliche Patientenlenkung
Als mögliche Reformen schlägt die Ärztekammer unter anderem mehr Telemedizin und eine verbindliche Lenkung von Patientinnen und Patienten vor. Leistungen aus den Ambulanzen müssten in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Nötig seien auch Strukturreformen, um Kassenverträge zu attraktivieren, mehr Transparenz bei der ÖGK-Finanzierung und ein Runder Tisch mit allen Beteiligten.
Die Führung der Sozialversicherung hat Fehler gemacht und wirtschaftet unserer Meinung nach falsch.
Ärztekammer-Vizepräsident Edgar Wutscher
„Die Führung der Sozialversicherung hat Fehler gemacht und wirtschaftet unserer Meinung nach falsch“, sagte Ärztekammer-Vizepräsident Edgar Wutscher. Zuvor hatte ÖGK-Obmann Andreas Huss gesagt, dass auch die Gebietskrankenkasse in Konkurs gehen könne und er nicht wisse, ob die Bundesregierung vorbeugende Maßnahmen plane. Die ÖGK hat derzeit ein Finanzloch.
Wenn die Menschen in Österreich nicht gesund seien, funktioniere auch die Wirtschaft nicht, warnte der Obmann-Stellvertreter der niedergelassenen Ärzte, Dietmar Bayer. Er bedaure, dass die Gesundheitsversorgung bei den Koalitionsverhandlungen nur ein Randthema sei.
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