"Trotz beträchtlicher Unterstützung der finanzierenden Banken und intensiven Bemühungen des Eigentümers ist es wider Erwarten nicht gelungen, die Alpine-Gruppe außerhalb eines Insolvenzverfahrens zu sanieren", hieß es seitens des Unternehmens.
Der Insolvenzantrag wurde laut Kreditschutzverband KSV 1870 am Mittwochvormittag beim Handelsgericht Wien - die Geschäftsführung des Salzburger Unternehmens erfolge in der Bundeshauptstadt - eingebracht. Beantragt wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Am frühen Nachmittag wurde das Insolvenzverfahren dann eröffnet, zum Masseverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Stephan Riel bestellt.
Überschuldung von 1,9 Milliarden Euro vermutet
Derzeit arbeiten die Kreditschützer noch an der Ermittlung der genauen Außenstände. Einer ersten groben Schätzung zufolge erreichen die Gesamtpassiva rund 2,6 Milliarden Euro, die Aktiva liegen demnach bei 661 Millionen Euro. Daraus errechnet sich eine Überschuldung von gut 1,9 Milliarden Euro.
Auch der Staat haftet mit 150 Millionen Euro
Die Republik Österreich hängt mit 150 Millionen Euro an Haftungen in der Alpine. Wie es mit diesen nun weitergeht, bleibt laut Finanzministerium aber noch abzuwarten. "Das hängt von der Quote ab, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststeht", hieß es knapp. Den Gläubigern wird im Sanierungsplan jedenfalls eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten - der Steuerzahler dürfte also 120 Millionen Euro der 150 Millionen verlieren, wenn nur 30 Millionen von der Alpine zu holen sein sollten.
Den bisher - mit Abstand - größten Konkurs in Österreich hatte die Konsum-Firmengruppe mit Passiva in Höhe von rund 1,9 Milliarden Euro hingelegt. Dahinter folgten die A-TEC-Gruppe (rund eine Milliarde Euro) und der Maculan-Konzern (rund 800 Millionen Euro). Damit ist die Insolvenz des Bauriesen Alpine eine der größten Pleiten der Zweiten Republik und könnte vom Volumen der Verbindlichkeiten her alles bisher Dagewesene übertreffen.
15.000 Mitarbeiter sowie 8.000 Gläubiger betroffen
Auf der Kreditorenliste stehen rund 8.000 Gläubiger. Der Konzern beschäftigt etwa 15.000 Personen, rund die Hälfte davon in Österreich. Mit dem Unternehmen verwoben sind allerdings alleine weitere rund 7.500 Arbeitsplätze bei jenen 1.500 Subunternehmen und 1.500 Lieferanten, die mit der Alpine ein Volumen über 100.000 Euro jährlich abwickeln. Die kleineren Unternehmen sind in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten.
Alpine-Unternehmenssprecher Johannes Gfrerer erklärte, dass zahlreiche Gesellschaften wie etwa die Alpine-Energie AG, die Hazet und die Alpine Bemo Tunneling GmbH nicht von der Pleite betroffen seien. Alleine in diesen drei Unternehmen seien knapp 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Ebenfalls nicht Teil der Insolvenz seien demnach die GPS (Grund-, Pfahl- und Sonderbau), die Erfurth Spezialbau GmbH, die ARB Holding GmbH, die Klöcher Bau GmbH, die Ökotechna Entsorgungs- und Umwelttechnik GmbH sowie die Universale Bau GmbH.
Nun sollen jedenfalls auf der Grundlage eines von erfahrenen Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes Teile der Gruppe mitsamt den damit verbundenen Arbeitsplätzen und Subunternehmen fortgeführt werden, so die Alpine. Dieses Konzept solle in den nächsten Wochen von den Insolvenzverwaltern geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt werden.
Betriebsratschef: "Die Spanier ließen uns fallen"
Alpine-Betriebsratschef Hermann Haneder äußerte am Mittwoch "große Sorgen vor möglichen zahlreichen Folgekonkursen, die weitere zahlreiche Arbeitnehmer treffen könnten". Den Alpine-Mitarbeitern versprach er, "alles zu versuchen, damit niemand unter die Räder gerät". Allerdings schätzte er, dass im Ausland wohl alle rund 7.500 Arbeitsplätze verloren gehen könnten und in Österreich von den etwa gleich vielen Jobs nur "4.000 bis 5.000 bleiben könnten".
"Wir müssen die notwendigen Schritte finden, um so viele Arbeitsplätze wie nötig zu retten", appellierte der Betriebsratschef, der auch Niederösterreichs Arbeiterkammer-Chef ist, weiters an Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Insgesamt gestand Haneder ein, dass sein Vertrauen angeschlagen sei, "vor allem weil - und wie - es nun zur Insolvenz kam. Die Spanier (die dortigen Gläubigerbanken, Anm.) haben uns fallen lassen wie eine heiße Kartoffel".
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