13.06.2013 20:00 |

Erbgut analysiert

Genetiker sind den Ursprüngen der Lepra auf der Spur

Forscher haben das Erbgut von mittelalterlichen Lepra-Bakterien analysiert und festgestellt, dass es sich über Jahrhunderte kaum verändert hat. Zugleich kamen sie dem Ursprung der Krankheit näher. Die Analyse habe gezeigt, dass viele der Bakterien auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, der vor 4.000 Jahren lebte, so die Wissenschaftler.
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Ein Forscherteam um den deutschen Evolutionsgenetiker Johannes Krause hat fünf sehr gut erhaltene mittelalterliche Skelette sowie aktuelle Proben von lebenden Lepra-Kranken untersucht. Dabei sei es zum ersten Mal gelungen, komplette Genome des Erregers Mycobacterium leprae aus unterschiedlichen Epochen zu rekonstruieren, schreiben die Wissenschaftler im Journal "Sciencexpress".

Über Jahrtausende kaum Mutationen
Die Erkenntnis, dass es im Erbgut des Erregers über Jahrtausende hinweg kaum Mutationen gegeben habe, lasse Rückschlüsse auf die Krankheit zu, sagte Krause. So könne man nun recht sicher sagen, dass die Lepra über die Jahrtausende hinweg relativ gleichmäßig verbreitet war - anders als etwa die Pest, der Schwarze Tod, die in mehreren Pandemien aufgetreten ist.

Dass Lepra trotzdem vor allem im Mittelalter weitverbreitet war, sei nicht auf den Krankheitserreger, sondern auf die veränderten Lebensumstände der Menschen zurückzuführen. So habe die Ausbreitung zugenommen, als die Menschen im 10. Jahrhundert in immer größeren Siedlungen zusammenlebten. Erst im 14. Jahrhundert sei die Krankheit dann durch bessere Hygienestandards eingedämmt worden, sagte Krause.

Lepra-DNA bleibt länger erhalten
Bei der Forschung am Lepra-Genom sei auch klar geworden, dass die DNA von Bakterien selbst unter ungünstigen Umweltbedingungen viel länger erhalten bleibe als die von Säugetieren. "Damit sollte es möglich sein, die Krankheit bis in ihre prähistorischen Ursprünge zurückzuverfolgen", sagte Krause. Das könne auch für die Medizin relevant sein. Wenn man wisse, wie schnell Bakterien mutieren, dann könne man auch abschätzen, wie schnell sie etwa resistent gegen neue Antibiotika werden.

Ob es nun Forschungsprojekte geben werde, die versuchen, die DNA-Entschlüsselung des Lepra-Erregers für die Medizin nutzbar zu machen, sei noch unklar, sagte der Professor. Er hält es etwa für denkbar, dass man mithilfe einfacher DNA-Analysen für jeden Patienten das am besten passende Antibiotikum ermitteln könnte.

An Lepra erkranken immer noch weit mehr als 200.000 Menschen pro Jahr, vor allem in Afrika, Indien und Brasilien. In Europa ist die seit der Antike bekannte Geisel, die schon in frühen Schriften aus Indien, der Bibel und Aufzeichnungen aus dem Mittelalter erwähnt wird, seit fast hundert Jahren ausgerottet.

Erreger lässt Nervenzellen absterben
Erkrankten Personen sterben die Nerven ab, Arterien und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Dadurch verlieren die Betroffenen meist das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz, verletzen sich so oft unbemerkt und infizieren sich über die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten wie Tetanus. Daher rührt auch die noch immer weit verbreitete und falsche Vorstellung, dass Lepra zu einem "Abfallen" von Armen, Händen, Nasen oder Ohren führe.

Zur Behandlung der durch das Mycobacterium leprae hervorgerufenen und durch Tröpfcheninfektion übertragenen Krankheit gibt es wirksame Medikamente, die in allen Ländern verfügbar sind. Eines der Probleme ist allerdings die lange Inkubationszeit, die laut Weltgesundheitsorganisation WHO bis zu fünf Jahre beträgt. Dem größten Erkrankungsrisiko sind Menschen in Randgesellschaften ausgesetzt, "oft die Ärmsten der Armen", so die WHO.

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