Gurkenkrümmung und Glühbirnenverbot hatten die Gründerväter eines „Vereinten Europas“ nicht vor Augen, als sie 1957 die „Römischen Verträge“ unterzeichneten. Stattdessen sollte diese „Geburtsurkunde der EU“ die historische Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich beenden.
Im altehrwürdigen Konservatorenpalast in Rom unterzeichneten die Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens sowie der Benelux-Länder jenes Dokument, welches als Geburtsurkunde der Europäischen Union bezeichnet wird. Dass in diesem Moment Geschichte geschrieben wurde, war den Unterzeichnern bewusst. Doch nicht nur nach vorne blickten die Anwesenden, die Unterzeichnung dieser „Römischen Verträge“ war auch ein bewusstes Abschließen mit der Vergangenheit.
Warum? Weil der Kern dieser Vereinbarung die mehr als 100 Jahre alte Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich und alle damit verbundenen Konsequenzen für den Rest Europas endgültig begraben sollte.
Aus ehemaligen Kriegsgegnern wurden wirtschaftliche Partner
Denn im Prinzip beruhte die Idee einer Europäischen Union auf folgender Überlegung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Wenn einstige Kriegsgegner wirtschaftlich extrem stark miteinander verflochten und verzahnt werden, können sie keine Kriege mehr gegeneinander führen. Und aus einer wirtschaftlichen Union sollte, so bereits damals die Idee, langfristig eine politische Union wachsen.
Als „Keimzelle“ der Europäischen Union gilt der sogenannte „Schuman-Plan“, der einige Jahre vor Abschluss der Römischen Verträge geboren wurde. Jean Monnet, ein Mitarbeiter des französischen Außenministers Robert Schuman, schlug diesem einen Plan zur Vereinigung der französischen und deutschen Kohle- und Stahlproduktion vor. Die zentralen Rüstungsgüter sollten zwischen Frankreich und Deutschland, aber auch unter Einbeziehung bereitwilliger Nachbarn unter eine einheitliche, gemeinsame Leitung gestellt werden.
Der „deutsche Tiger“ und das deutsche Wirtschaftswunder
Diese „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“, auch „Montanunion“ genannt, war die erste supranationale Behörde. Mit dem Schuman-Plan zog man Lehren aus der Vergangenheit: Einerseits wollten die Sieger des Zweiten Weltkriegs Deutschland nicht isolieren und wirtschaftlich entmachten wie nach dem Ersten Weltkrieg, sondern fest in die europäische Staatengemeinschaft einbinden. Andererseits versuchte man so aber auch gleichzeitig, den „deutschen Tiger“ zu kontrollieren, denn das deutsche Wirtschaftswunder sollte zu keiner übermäßigen Dominanz Deutschlands gegenüber dem Rest Europas führen.
Am 18. April 1951 wurde in Paris die Gründung dieser Montanunion beschlossen. Mitglieder waren zunächst, neben Frankreich und Deutschland, Belgien, Italien und die Beneluxstaaten. Die Kohle- und Stahlindustrie Deutschlands und Frankreichs wurden einer Kommission – der „Hohen Behörde“ – unterstellt.
Diese Montanunion hat den Weg für ein viel größeres und europäisches Projekt geebnet: Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die am 25. März 1957, durch die Unterzeichnung der „Römischen Verträge“ offiziell ins Leben gerufen wurde.

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