Die Demonstranten hielten Schilder mit Aufschriften wie "EZB - Echt ätzend" hoch und machten lautstark mit Rufen und Trommeln auf sich aufmerksam. Den Kapitalismus-Kritikern standen Polizisten mit Helmen und Hunden gegenüber, die Polizei hatte das EZB-Gebäude weiträumig abgeriegelt. Ein Polizeihelikopter kreiste über dem Bankenviertel. Die Proteste seien weitgehend friedlich verlaufen, sagte der Polizeisprecher am Vormittag. Vereinzelt seien Steine geworfen worden.
"Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes"
"Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes", lautet das Motto der heurigen Protestaktionen zahlreicher linker Gruppen, die sich zur "Blockupy"-Bewegung zusammengeschlossen haben. Das Bündnis will gegen die Sparpolitik in Europa, Nahrungsmittelspekulationen von Banken und Mietpreiserhöhungen demonstrieren.
Nach der EZB-Blockade zogen die Kapitalismus-Kritiker weiter durch die Stadt. Hunderte Menschen protestierten etwa vor der Deutschen Bank gegen Nahrungsmittelspekulationen. Sie trommelten dabei unter anderem auf leeren Töpfen, die symbolisch für den Hunger auf der Welt standen. Am Frankfurter Flughafen richtete sich der Protest gegen die Abschiebung von Flüchtlingen. Und auf der Einkaufsmeile Zeil im Zentrum Frankfurts wollten die Demonstranten unter anderem auf die Produktionsbedingungen in der Textilbranche hinweisen und blockierten dazu verschiedene Geschäfte, die zumindest zeitweise ihre Türen schlossen oder gleich die Gitter davor herunterließen.
Proteste rund um EZB-Jubiläum
Die EZB begeht am Samstag den 15. Jahrestag ihrer Gründung. Bereits am Mittwoch wurde abseits der Frankfurter Innenstadt ein großes Camp eingerichtet, das Platz für rund 1.000 Aktivisten bietet. Nach der EZB-Blockade am Freitag ist am Samstag eine Großdemo geplant, zu der die Veranstalter bis zu 20.000 Menschen erwarten.
Vor einem Jahr hatten die ersten "Blockupy"-Aktionen Frankfurt tagelang in einen Ausnahmezustand versetzt (siehe Infobox), es blieb aber weitgehend friedlich. Die Proteste am Freitag werteten die "Blockupy"-Organisatoren als Erfolg. "Wir haben mit entschiedenen, kämpferischen Aktionen deutlich gemacht, dass wir Nein sagen zur herrschenden Politik des globalen Hungers, zur Ausbeutung von Menschen und Naturressourcen", erklärte Sprecherin Dießelmann.
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