Um 1,1 Mrd. Dollar

Yahoo schluckt Tumblr: “Werden es nicht versauen”

Wirtschaft
20.05.2013 17:51
Der bei jungen Leuten beliebte Blog-Dienst Tumblr gehört künftig zu Yahoo. Das Internet-Urgestein lässt sich diese Verjüngungskur 1,1 Milliarden Dollar (855 Millionen Euro) kosten. Um die vielen Millionen Tumblr-Nutzer nicht zu verschrecken, gewährt der Konzern seiner neuen Tochter nach eigenen Angaben größtmögliche Eigenständigkeit. "Wir versprechen, es nicht zu versauen", schrieb Yahoo-Chefin Marissa Mayer in einem extra aufgesetzten Tumblr-Blog.

Tumblr macht es Nutzern leicht, einfache Blogs aufzusetzen und Inhalte zwischen ihnen zu teilen. Viele der Tumblr-Blogs setzen stark auf Bilder und Videos. Jeden Tag gibt es 120.000 Neuanmeldungen. "Tumblr ist eines der am schnellsten wachsenden Mediennetzwerke in der Welt", schrieb Mayer.

So gibt es mittlerweile bereits mehr als 108 Millionen Tumblr-Blogs, jedoch machte der 2007 gegründete Web-Dienst laut Medienberichten im vergangenen Jahr nur 13 Millionen Dollar Umsatz. Um das Geschäft anzukurbeln, werden Yahoo und Tumblr vor allem bei der Haupteinnahmequelle Werbung zusammenarbeiten. Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der größten Anzeigensysteme im Internet.

Yahoo will durch Übernahme bei den Jungen punkten
Zuletzt hinter seine Rivalen zurückgefallen, soll die im vergangenen Sommer zur Konzernchefin berufene Mayer bei Yahoo die Wende bringen. Sie verspricht sich durch den Tumblr-Zukauf eine 50-prozentige Zunahme der Besucher. Vor allem junge Leute sind gern gesehen: Der Konzern räumt selbst ein, dass er ein Defizit in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat. Ein Problem für Yahoo könnte allerdings die lasche Kontrolle über Inhalte bei Tumblr werden. Unter anderem sind in vielen Blogs pornografische Inhalte zu finden.

Tumblr-Team soll ungestört weitermachen
Tumblr-Gründer David Karp bleibt auch nach der Übernahme Chef der sechs Jahre jungen Firma. "Unser Team wird sich nicht verändern. Unsere Zukunftsplanung wird sich nicht verändern", beteuerte Karp. Durch die Übernahme stünden nun sogar mehr Ressourcen zur Verfügung.

Bei vorherigen Zukäufen hatte sich Yahoo zwar gerne die Technik und die Talente gesichert, aber die Dienste oftmals direkt im Anschluss eingestellt. So war es beispielsweise im März bei der Nachrichten-App Summly des jungen britischen Entwicklers Nick D'Aloisio (siehe Infobox).

Massenflucht zu Alternativdienst WordPress?
Aus dieser Sorge heraus flüchteten anscheinend bereits die ersten Tumblr-Nutzer zum Alternativdienst WordPress. An einem normalen Sonntag würden 400 bis 600 Tumblr-Einträge zu WordPress herübergeholt, schrieb dessen Chef Matt Mullenweg am Wochenende. "In der vergangenen Stunde waren es mehr als 72.000."

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