Kafkas „Der Prozess“ als Oper: Ziemlich turbulent schickt Regisseur Stefan Herheim den Titelhelden Josef K. in der Vertonung Gottfried von Einems seinem Ende entgegen.
Warum nicht? Kafka-Jahr ist, also spielt die Kammeroper Gottfried von Einems nicht ganz zu Unrecht selten aufgeführtes Werk „Der Prozess“ (1953). Walter Kobéra leitet souverän die ausgezeichnete Klangforum Wien PPCM Academy durch diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien.
Regisseur ist Theater-an-der-Wien-Intendant Stefan Herheim. Der hat nach seiner gecancelten „Idomeneo“-Wiedereröffnungsinszenierung offenbar alles in den „Prozess“ gesteckt. Manisch wuselt Kafkas Josef K. (Robert Murray) in Gottfried von Einem-Weißhaarpracht über die Bühne. Vor Salzburgpanorama – denn vor der Festspieluraufführung wurde Von Einem 1951 brüsk aus dem Festspiel-Direktorium geworfen.
Herheim wirkt fröhlich aus Komponisten-Bio und Kafka eine absurde, ziemlich wirre, operettige Revue: flott, bunt, lustvoll explizit. Die jungen, ausgezeichneten Sängerdarsteller und die tolle Anne-Fleur Werner in den Frauenrollen machen den Abend zur feschen Swingerparty für Operncharaktere. Oder wie der „Prozess“-affine HK Gruber in der Pause meinte: „Ganz schön sexy!“
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