"Nicht schuldig"
Verteidiger des Entführers: “Castro ist kein Monster”
Dem zuständigen Staatsanwalt Timothy McGinty zufolge habe Castro in seinem Haus ein "Privatgefängnis inklusive Folterkammer" betrieben (siehe Infobox). Der Mann sei sicher kein "Monster", beteuerten hingegen seine beiden Anwälte, Craig Weintraub und Jay Schlachet, nach einem mehrstündigen Treffen mit dem 52-Jährigen. Die Juristen erklärten in einem Interview mit dem lokalen Nachrichtensender "WKYC Channel 3" am Dienstagnachmittag (Ortszeit), es sei "unfair und widerwärtig, dass die Medien und die Öffentlichkeit diesen Mann verteufeln wollen, bevor sie die ganze Geschichte kennen."
Castro liebt mit Opfer gezeugtes Kind "innig"
Die Verteidiger erklärten weiter, ihr Mandant weise die Vorwürfe des mehrfachen Kidnappings und der mehrfachen Vergewaltigung zurück und werde in diesen Anklagepunkten auf nicht schuldig plädieren. "Details zu Castros Unschuld werden im Zuge der weiteren Entwicklungen in dem Fall offengelegt", kündigte Schlachet an. Sein Kollege Weintraub stellte außerdem klar, dass Castro das Kind, das er mit dem - wie der Anwalt betonte "mutmaßlichen" - Entführungsopfer Amanda Berry während ihrer Gefangenschaft gezeugt hatte, "innig liebe".
Anwalt: "Er ist völlig isoliert"
Während seine Anwälte ihre Arbeit aufgenommen haben, befindet sich Castro den Angaben von Schlachet zufolge derzeit im Bezirksgefängnis von Cuyahoga in Isolationshaft. Der 52-Jährige stehe wegen Selbstmordgefährdung unter ständiger Sonderbeobachtung. "Er steht unter totaler Überwachung", so der Jurist, "er hat keinen Fernseher, kein Radio, keine Zeitschriften, keinen Zugang zu Zeitungen. Er ist völlig isoliert von der Gesellschaft."
Die Anwälte von Ariel Castro ließen mit ihren Aussagen im Fernsehen jedenfalls erstmals durchblicken, wie die Verteidigungslinie des wohl derzeit meistgehassten Mannes der Vereinigten Staaten von Amerika aussehen wird: Der 52-Jährige soll der Öffentlichkeit in einem ersten Schritt als Mensch und nicht als Monster gezeigt werden. In einem zweiten Schritt wollen die Juristen dann offenbar die Angaben der Opfer und der Behörden in Zweifel ziehen.
Castro fiel Polizei mehrfach durch Gewalt auf
Die sich verdichtende Faktenlage über das Leben des 52-Jährigen dürfte es seinen Anwälten allerdings schwer machen, Castro vor Gericht in einem positiven Licht darzustellen. So hatte die Polizei von Cleveland erst am Montag bestätigt, Castro in den vergangenen Jahren - vor und während der Gefangenschaft der drei Frauen - mindestens acht Mal in Zusammenhang mit Gewalt befragt zu haben.
Im Januar 2004 etwa hatten Polizeibeamte Castro befragt, weil er in seinem Schulbus ein behindertes Kind beschimpfte und allein ließ, um in einem Schnellrestaurant zu essen. Die Angelegenheit wurde mit der Schulleitung geregelt. Seine Ex-Frau soll er 2005 schwer misshandelt und mit dem Umbringen bedroht haben. Bereits 1989 und 1993 hatte Castros damalige Frau die Polizei gerufen, weil er sie mehrfach geschlagen haben soll. Anzeige erstattet wurde allerdings in keinem der gemeldeten Fälle, hieß es von Seiten der Behörden.
Nie genügend Anhaltspunkte für eine Anklage
1994 verständigte ein Nachbar zudem die Polizei, weil Castro versucht habe, ihn mit einer Schaufel zu schlagen. 1996 warf der neue Freund seiner Ex-Frau Castro vor, er habe ihn bedroht und versucht, ihn mit seinem Auto zu überfahren. Laut Polizeiakten beschwerten sich noch zwei weitere Menschen über Castro. Die Ermittler hätten aber nie genügend Anhaltspunkte für eine Anklage gegen den 52-Jährigen gehabt.
Das Justizministerium des US-Bundesstaates Ohio erklärte indessen, weder das FBI noch die Polizei von Cleveland hätten bei DNA-Tests in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight auch nur die geringste Spur zu Castro gefunden. Die Polizei war in den vergangenen Tagen scharf kritisiert worden, weil sie das Martyrium der drei entführten und rund ein Jahrzehnt gefangengehaltenen Frauen nicht früher beendet hatte. Die Ermittler erklärten dazu, es habe keinen besonderen Grund gegeben, Castro in den Fällen zu verdächtigen.
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