Arda Saatci:

„Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich dreckig“

Sport-Mix
22.09.2026 11:13
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

„Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich dreckig.“ Arda Saatci blickte auf sein extremes Laufprojekt „Red Bull Cyborg Season – Ultra 600“ zurück und sprach in der ServusTV-Sendung „Sport & Talk im Hangar 7“ über mentale Stärke, Zweifel und den Umgang mit körperlichen Grenzen.

Millionen Menschen haben Saatci‘s Livestream verfolgt, in dem er vom tiefsten Punkt der USA, dem Badwater Basin im Death Valley, bis zum Santa Monica Pier in Los Angeles lief. Ursprünglich waren 600 Kilometer und bis zu 6.000 Höhenmeter geplant, doch am Ende wurden es sogar ca. 604,6 Kilometer. Die Strecke wollte er in maximal 96 Stunden, also vier Tagen, schaffen. Nach einem harten Kampf, extremem Schlafmangel und großer körperlicher Belastung erreichte er das Ziel nach rund 123 Stunden (etwas mehr als fünf Tagen) erfolgreich.

Die Strapazen wirkten bei Saatci noch lange nach, wie er in „Sport & Talk im Hangar 7“ erzählt. „Erst nach der zweiten, dritten Nacht habe ich zehn Stunden am Stück geschlafen. Der Kopf hat noch sehr gerattert. Es hat dann zwei Wochen gedauert, bis der Rhythmus wieder da war. Ich habe viel reflektiert. Es ist super. Die ersten Wochen hatte ich angeschwollene Füße und Entzündungen. Nach zehn Tagen bin ich aber wieder ins Training eingestiegen.“

Vom Tiefpunkt zum Extremsport
Sein Weg zum Ausdauersport begann nach einer schwierigen Phase. „Nach dem Traum vom Profifußballer hatte ich ein gebrochenes Herz, bin in eine Depression gefallen. Ich habe mit Einzelsport, Boxen, angefangen, habe dann mit dem Laufen begonnen. Ich wollte die Kontrolle über mich behalten, wollte immer ein bisschen mehr machen und immer meinen Schweinehund überwinden.“

Zitat Icon

Ich liebe es, den Schweinehund zu besiegen. Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich dreckig.

Arda Saatci

Das Härteste am „Ultra 600“? Schlafmangel und die Nahrungszufuhr. Saatci: „Ich habe 10.000 Kalorien zu mir nehmen müssen, ich hätte aber 15.000 Kalorien zu mir nehmen müssen. Am Ende habe ich fünf Kilo abgenommen und wurde immer müder.“

Auch mental wurde Saatci gefordert: „Die Stimmen im Kopf sind sehr laut. Die soll man auch nicht ausblenden. Man soll sich mit ihnen unterhalten. Daran wächst man. Man lernt sich persönlich kennen.“

„Ich brauchte kühle Köpfe“
Zwischenzeitlich musste sogar ein Krisenteam verschiedene Szenarien durchspielen. „Ein Abbruch war kein Thema, aber eine Pause. Wir haben viele Szenarien durchgearbeitet. Wir wären danach eines nach dem anderen durchgegangen“, erklärte Physioterapeut Gzim Ferizi. Saatci selbst wusste, wie wichtig ein funktionierendes Umfeld war: „Ich bin alleine wie ein Zombie herumgelaufen. Es macht es nicht besser, wenn das Team das auch tut. Ich brauchte kühle Köpfe.“

Extremsportler Arda Saatci
Extremsportler Arda Saatci(Bild: ServusTV / Manuel Seeger)

„Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich dreckig“
Seine Motivation für das tägliche Training beschreibt der Extremsportler klar: „Ich liebe das Gefühl nach dem Training. Ich bin nicht immer geil darauf. Ich liebe es, den Schweinehund zu besiegen. Wenn ich nicht trainiere, fühle ich mich dreckig. So ist es wie mit dem Training. Ich liege auch gerne im Bett. Aber ich stehe auf und mache meine Einheit.“

Auch Dominic Thiem – ebenfalls in der Gesprächsrunde – kennt den mentalen Kampf aus seiner aktiven Karriere. „Es ist ein komplexes Thema. Ich bin auf den Platz gegangen, habe davor alles dafür gemacht und konnte mir nichts vorwerfen. Nur so konnte ich meine mentale Stärke abrufen. Das Vertrauen in mich selbst musste ich mir erarbeiten.“

Dominic Thiem
Dominic Thiem(Bild: ServusTV / Manuel Seeger)

Saatci arbeitet auch abseits des Trainings gezielt daran: „Ich arbeite täglich an der mentalen Komponente. Ich führe seit Jahren Tagebuch, schreibe mir Leitsätze und Triggerpunkte in schweren Momenten auf, damit ich den Fokus nie verliere.“

Nach all den Strapazen blieb ihm vor allem ein kleiner Moment im Gedächtnis: das Eis mit seiner Mutter nach dem Zieleinlauf. „Dieses Eis wird für immer in meinem Kopf bleiben.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

KMM
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung