Zwei Männer suchten vier Friedhöfe im Südburgenland heim und bedienten sich an 48 Gräbern. Das Metall verscherbelten sie in Ungarn. Einer ist bereits inhaftiert, der andere akzeptierte am Mittwoch am Landesgericht Eisenstadt das – auf den ersten Blick – geschmalzene Urteil.
Schön langsam sollte sich der arbeitslose 31-Jährige eingestehen, dass Fladern nicht unbedingt zu seinen größten Stärken zählt. Der Ungar ist in seiner Heimat neunmal wegen schweren Diebstahls verurteilt worden, am Landesgericht Eisenstadt passierte ihm das wegen eines Delikts im Burgenland 2019. Profihaft ist nur sein Auftreten vor Gericht: Er hat über die Jahre gelernt, dass ein Geständnis ein wesentlicher Milderungsgrund ist.
Verkaufspreis: 5 Euro pro Kilo
Mit einem Komplizen, der für diese Tat bereits rechtskräftig zu 20 Monaten Haft verurteilt wurde, hat der Angeklagte im Oktober 2022 die Friedhöfe in Oberwart, Pinkafeld, Pinggau und Rohrbach an der Lafnitz heimgesucht und von dort Kreuze, Vasen und Statuen mitgehen lassen. 48 Gräber waren betroffen. Das „Edelmetall“, wie er sagt, wurde nach Ungarn gebracht und auf einem Schrottplatz zum Kilopreis von 5 Euro verkauft. „Ich bekam die Hälfte, das waren 250 Euro.“
Kalte Füße ohne Socken
Und überhaupt: „Er hat mich nur gebeten, mit ihm etwas aus Österreich zu holen. Auf zwei Friedhöfen waren die Sachen bereits abmontiert und ich habe ihm beim Tragen geholfen.“ Dann habe er kalte Füße bekommen, sagt der Mann, der zum Prozess ohne Socken antanzte. „Ich habe draußen gewartet. Er hat mit den Füßen die Kreuze runtergetreten und zum Auto gebracht. Dann sind wir heimgefahren.“
Das Urteil des Schöffensenats liest sich im erstem Moment hart: 3 Jahre unbedingte Haft! Aber aufgrund der Rückfallquote und vor allem, weil es ab dem Tag der Friedhofsraube zu weiteren drei Verurteilungen in Ungarn gekommen war, scheint der Spruch vertretbar. Auch für den Ungarn, der nickte.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.