Will kooperieren
Bomber-Witwe bricht Schweigen: “Waren schockiert”
"Das war für uns alle ein vollkommener Schock", zitierten die Anwälte Amato DeLuca und Miriam Weizenbaum (Bild 4) ihre Mandantin. Die Juristen brachten auch die Trauer Russels über den Anschlag zum Ausdruck: "Die Toten und die Verletzten unter den Menschen, die gekommen waren, um einen Wettlauf und einen Feiertag zu feiern, haben Katie und ihrer Familie große Verzweiflung und Schmerz beschert."
Anwalt der Witwe: "Sie wird kooperieren"
Ihren ausdrücklichen Kooperationswillen mit den Behörden hat die 24-jährige Witwe aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Bisher äußerte sie sich nicht persönlich gegenüber den Ermittlern. "Sie versteht, dass es im Interesse der nationalen Sicherheit ist, und sie weiß, dass sie es tun muss, aber zunächst muss sie sich um ihre Tochter kümmern", vertröstete DeLuca das FBI vorerst.
Seit dem Tod von Tamerlan Tsarnaev hält sich Russel, die ihren Mann am vergangenen Donnerstag nur wenige Stunden vor dem Schusswechsel mit der Polizei das letzte Mal gesehen hatte, im Haus ihrer Eltern in North Kingstown im Bundesstaat Rhode Island auf.
Die 24-Jährige hatte Tsarnaev 2010 geheiratet. Das Paar hat eine dreijährige Tochter. US-Medien zufolge war Russel zum Islam konvertiert, nachdem sie ihren aus Tschetschenien stammenden Mann kennengelernt hatte.
FBI befragt Eltern der Brüder in Dagestan
Derzeit werden auch die Eltern der beiden Attentäter in der Kaukasus-Republik Dagestan von einer Delegation der US-Botschaft, die am Dienstag in die Region geflogen ist, befragt. Bei den Ermittlungen kooperiert auch die russische Regierung eng mit dem FBI. Sobald es möglich ist, werden die Eltern in die USA reisen, um ihren verstorbenen Sohn gemäß muslimischer Regeln zu bestatten.
Anleitung für Bomben im Internet gefunden
Unterdessen werden die Hintergründe des Anschlags auf den Bostoner Marathon ein wenig klarer. Der jüngere Bruder Dzhokhar Tsarnaev, der derzeit im Krankenhaus behandelt wird und gegen den bereits Anklage erhoben wurde, bezeichnete nach Informationen von US-Medien seinen älteren Bruder als Drahtzieher des Anschlags. Die Kriege in Afghanistan und Irak sollen ein Motiv für den Terroranschlag gewesen sein, habe der 19-jährige Dzhokhar während des Verhörs ausgesagt. Der jüngere der beiden Bombenleger habe zudem erklärt, dass er und sein Bruder sich die Informationen zum Bau der Bomben aus dem Internet besorgt hätten.
Ein US-Regierungsvertreter sagte dem Sender CNN, der 19-Jährige habe angegeben, dass Tamerlan "den Islam vor Angriffen schützen wollte". Doch diese Aussagen müssten noch überprüft werden, betonte der Regierungsbeamte.
Aufregung wegen Pannen des FBI
Im US-Kongress fühlten indes am Dienstag Parlamentarier bei einer Befragung Vertretern des FBI auf den Zahn. Dabei ging es insbesondere um die Frage, wie die Bundespolizei Tamerlan, den sie vor zwei Jahren bereits wegen mutmaßlicher islamistischer Überzeugungen im Visier hatte, wieder aus dem Blick verlieren konnte.
Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass womöglich ein simpler Rechtschreibfehler die rechtzeitige Überprüfung der späteren Attentäter verhindert hatte. So hatte Tamerlan aufgrund seines falsch buchstabierten Namens 2012 unbemerkt nach Russland reisen können. Dort sei er "mindestens vier Mal ins Visier der Sicherheitskräfte geraten", erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von örtlichen Behördenvertretern. Grund waren Treffen mit einem jungen Mann, der Verbindungen zur islamistischen Untergrundbewegung unterhielt. Als Tamerlan wieder in die USA zurückkehrte, dürfte er den Grenzbeamten wegen des falsch geschriebenen Namens bei der Einreise nicht aufgefallen sein.
Pass-Erneuerung als Grund für Dagestan-Reise?
Der dagestanische Innenminister Abdurashid Magomedow versicherte hingegen am Mittwoch, dass Tsarnaev bei seinem Besuch in der russischen Teilrepublik im Jahr 2012 keinen Kontakt zum islamistischen Untergrund gehabt habe. Er habe lediglich seinen Pass erneuert.
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