Di, 17. Juli 2018

"Catching Tales"

27.09.2005 14:29

Pop goes Jazz ¿ oder goes Jazz Pop?

Mögen wir ihn? Jaaa, wir mögen ihn! Jamie Cullum ist das, was viele Jazzmusiker nicht sind und viele Popsternchen nie sein werden. Er ist hip, witzig, jung, ein Meister an sämtlichen Tasteninstrumenten und im Gegensatz zu Miles Davis und Co absolut faltenfrei und quicklebendig...

Sein neues Album „Catching Tales“ stammt (diesmal) beinah gänzlich aus seiner Feder und ist zu einer außerordentlichen Stil-Mischung geworden: Dieser Mann spielt atemberaubende Piano-Solis und singt dazu von der kleinen Schlampe die ihn neulich in einer verrauchten – oder eher verruchten? – Hinterhofkneipe über den Tisch gezogen hat.

Die DJs der durchgestylt-trendigen Bars und Lounges europäischer Innenstädte, auf deren Ledersofas bildhübsche Menschen "chillen", werden sich auf die Platte stürzen wie ausgehungerte Zoo-Panther. Vorprogrammiert bei der frechen Single „Get your Way“: Wenn ein Kopf bei diesen Grooves und den schrägen Sound-Samples, gekontert von Jamies souligen Vocals noch immer ruhig im Nacken sitzt, muss ein Rhythmus-Chromosom fehlen.

Aber Jamie Cullum hat mehr zu bieten, als nur coole Juppie-Bar-Musik: „Catching Tales“ ist ein wohl gewähltes Sammelsurium aus Balladen, knackigen Songs, die Geschichten erzählen und atemberaubenden Piano-Kompositionen. Die Jazzgrößen sind übrigens sehr zufrieden mit ihrem neuen Botschafter – deutsche WochenZEITungen nennen ihn auch den „DiCaprio des Jazz“.

Er hat sein Handwerk - das Klavierspielen und Songwriting - in britischen Clubs und auf Kreuzfahrtschiffen perfektioniert. Und das spürt man, wenn man sich durch die vierzehn Songs von "Catching Tales" hört. Berührungsängste sind schnell dahin, wenn sich die schwere Jazz-Kost ab und an in pop-gesangliches Wohlgefallen auflöst.

Wer sich bis jetzt vor Swing, Be-Bop und knallig, funkigen Melodien gefürchtet hat; wer Jazz immer als Musik für Menschen mit Hornbrillen, die Kaschmirschals im Sommer tragen gesehen hat, dem gibt Jamie Cullum mit "Catching Tales" wieder die Chance in eine neue Musik-Welt einzusteigen. So stilübergreifend hat noch keiner seinem Flügel Flügel verleiht! 

8 von 10 be-da-badap-du-bah’s und ein oh-yeah!

Von Christoph Andert

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