Bei Luftangriff

Afghanen werfen NATO Tötung von zehn Kindern vor

Ausland
08.04.2013 11:48
In Afghanistan sind Vorwürfe gegen die NATO laut geworden, bei einem Luftangriff mindestens zehn Kinder getötet zu haben. Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend, nachdem sich afghanische und US-Truppen Gefechte mit aufständischen Taliban geliefert hatten. Ein US-Zivilist soll dabei getötet, vier Afghanen sollen verletzt worden sein. Die NATO habe daraufhin mit einer Bombardierung reagiert, hieß es aus afghanischen Sicherheitskreisen. Die Taliban hätten die Zivilisten demnach als Schutzschilder missbraucht.

Nach Angaben der örtlichen Behördenvertreter ereignete sich der NATO-Angriff im Bezirk Shigal in der Provinz Kunar an der Grenze zu Pakistan. Nach dem Tod des US-Bürgers und der Verwundung der afghanischen Sicherheitskräfte soll die Bombardierung durch die NATO begonnen haben. "Wir wussten nicht, dass Frauen und Kinder im Haus waren", sagte ein Sicherheitsvertreter.

Unklarheit über Opferzahl
Zur konkreten Opferzahl lagen zunächst unterschiedliche Angaben vor. Laut einem Provinzsprecher wurden neben den zehn Kindern auch acht Kämpfer getötet. Zudem seien sechs Frauen verletzt worden. Dem Gouverneur von Shigal, Abdul Zahir, zufolge wurden die Leichen der Kinder ins Stadtzentrum gebracht, die verletzten Frauen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden. Laut dem Sicherheitsbeauftragten Sayed Rahman wurde bei dem Einsatz auch eine Frau getötet.

Das Innenministerium sprach in einer Mitteilung von sechs getöteten Taliban. Ein NATO-Sprecher wiederum sagte auf Anfrage, bei dem Einsatz seien "bis zu zehn Frauen und Kinder verletzt, aber nicht getötet worden". Jedoch sei ein US-Zivilist ums Leben gekommen. Die Taliban selbst verkündeten über den Kurznachrichtendienst Twitter den Tod von 22 Zivilisten. Unter den Toten seien auch 15 Mitglieder einer Familie. Die Radikalislamisten geben allerdings regelmäßig übertrieben hohe Opferzahlen an.

Die Provinz Kunar im Osten des Landes gilt als Hochburg der Aufständischen. Die zahlreichen zivilen Opfer der NATO-Luftangriffe sorgen immer wieder für Streit zwischen der Führung in Kabul und der NATO. Im vergangenen Jahr war die Zahl der getöteten Zivilisten aber deutlich gesunken.

US-Diplomatin und NATO-Mitarbeiter getötet
Bei einem weiteren Angriff im Süden Afghanistans wurden am Samstag zudem fünf NATO-Mitarbeiter getötet. Bei einem Anschlag in der Unruheprovinz Zabul im Süden starben drei US-Soldaten, eine für die NATO arbeitende US-Diplomatin, ein afghanischer Mitarbeiter des Militärbündnisses sowie mehrere afghanische Zivilisten.

US-Außenminister John Kerry sprach von einer "verachtenswerten Tat". Die Getöteten seien auf dem Weg zu einer Schule in der Provinzhauptstadt Kalat gewesen, um dort Bücher zu verteilen. Laut ISAF erfolgte der Angriff auf den Konvoi mit einer Autobombe. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.

Die Anschläge fielen zusammen mit der Ankunft von US-Generalstabschef Martin Dempsey am Hindukusch. Mit sechs Todesopfern war es der blutigste Tag für die NATO-Streitkräfte in Afghanistan seit neun Monaten. Am 8. Juli 2012 waren sieben NATO-Soldaten bei Angriffen im Osten und Süden des Landes getötet worden.

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