Fr, 21. September 2018

Reich-werd-WM

18.09.2005 15:07

Goldwäscher-WM in Südafrika

Genau 132 Jahre nach der Entdeckung des ersten gelben Metalls in dem verschlafenen südafrikanischen Ort Pilgrim's Rest ist dort erneut das Goldfieber ausgebrochen. Finnen, Deutsche, Schweizer, Tschechen, Franzosen und Australier strömen seit dem Wochenende in das beschauliche Nest unweit des Krüger-Nationalparks. Ab diesem Montag wollen sie bei der Internationalen Goldwäscher-Meisterschaft Titel und Goldstücke ergattern.

Ein Hauch von Freiheit und Abenteuer lag bereits am Sonntag über der Bretterbuden-Stadt, die längst unter Denkmalschutz steht und heute statt Glückssuchern Touristen aus aller Welt anlockt.

Ruhige Hand und Schwemmpfannen
Nach den Umzügen und Reden sind dort in dieser Woche Gummistiefel und Jeans Trumpf. Mit dem klassischen Arbeitsgerät der früheren Goldsucher - der Schwemmpfanne - gilt es in diversen Kategorien, kleine Plättchen des Glitzermetalls aus einer lehmig-braunen Brühe aus Kies und Sand zu fischen. Systematisches Goldwaschen steht auf dem Programm. Eine ruhige Hand und gleichmäßige Schwenkbewegungen sind nötig, damit das Wasser erst die leichten Mineralien über die Rippen aus der Pfanne spült und nur noch eine millimeterfeine Schicht der schwereren Mineralien übrig bleibt. Darin verstecken sich dann vielleicht auch ein paar winzige Goldkörnchen. Ziel ist es, sie möglichst schnell aus dem Fluss-Sand auszuwaschen. Die Gewinner erhalten dann am kommenden Samstag Gold-, Silber- und Bronzemedaillen und Sonderprägungen südafrikanischer Goldmünzen.

WM soll Tourismus ankurbeln
Die ungewöhnliche Meisterschaft soll nach dem Willen der Veranstalter den Tourismus in den Ort beleben und an alte Traditionen anknüpfen, als Abenteurer aus aller Welt dem Lockruf des Goldes folgten. Ihre Arbeitsbedingungen in der inzwischen legendären Schürfstätte ließen damals jedoch kaum Platz für Goldgräberromantik. Für ein paar Gramm Goldstaub standen die Schürfer unter stechender Sonne stundenlang mit krummen Rücken in ihren "Claims". 1873 war man am Pilgrim's Creek auf die ergiebigsten Goldvorkommen im Südlichen Afrika gestoßen, die bis dahin von Europäern entdeckt worden waren.

Die Nachricht von den Funden ging um die Welt. Am Rande der Schürf- und Waschgebiete etablierten sich zusammengezimmerte Hütten, Bars und Geschäfte. Vom großen Fund träumte jeder. Doch nur wenige gewannen ein Vermögen, noch weniger behielten es. Die meisten verkauften schon wenig später ihre Rechte an ein Unternehmen, das hier bis 1971 industriell Gold abbaute. Als die Vorkommen erschöpft waren, wurde der gesamte Ort als Museumsdorf dem Staat verkauft.

Es lebe die Tradition
Obwohl heute in Südafrika - dem größten Goldproduzenten der Erde - wie auch in den meisten anderen Förderländern das Edelmetall unter Einsatz schwerer Maschinen industriell gefördert wird, halten heute Hobby-Goldwäscher die Traditionen hoch. In Ländern wie Brasilien, Angola oder Mali dagegen stehen auch heute noch Menschen als regelrechte Sklaven des Goldes mit der Schwemmpfanne in der Hand in Flüssen, um sich den Traum vom schnellen Reichtum zu erfüllen.

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