Gegen Drängen der EU

Hypo-Chef: “Zeitdruck bedeutet Geldvernichtung”

Wirtschaft
12.03.2013 13:21
Der Chef der seit 2009 notverstaatlichten Kärntner Hypo Alpe Adria stemmt sich beim Verkauf seiner Südosteuropa-Banken gegen den Zeitdruck aus Brüssel. "Wenn wir zu Notverkäufen gezwungen werden, muss der österreichische Staat wieder nachschießen", warnte Hypo-Chef Gottwald Kranebitter am Dienstag bei seiner Pressekonferenz zum abgelaufenen Geschäftsjahr.

"Was wir wollen, ist ein flexibler Zeitraum", betonte der Hypo-Chef. Dass es, wie kolportiert, fünf Jahre sein sollen, sprach er nicht an. "Wir wünschen uns, dass unsere acht Banken nicht ins Schaufenster gestellt werden, an dem steht: ab Montag Ausverkauf", so Kranebitter zynisch.

Sofortige Zerschlagung würde sechs Milliarden kosten
Kranebitter gab zu, dass es hier einen Interessensgegensatz auszuräumen gelte. Die Wettbewerbshüter müssten auf einen möglichst raschen Verkauf und Abwicklung drängen. Die Republik Österreich und der Bankvorstand müssten auf Budgetschonung, Erhalt der Jobs und Funktionsfähigkeit in den Märkten achten und aufzeigen, dass jetzt der schlechtestmögliche Zeitpunkt sei für Bankenverkäufe. "Wir müssen hier ganz deutlich sagen, dass Zeitdruck Geld vernichtet." Wo es keine Käufer gebe, gebe es keine Preise. "Oder nur Zerschlagungspreise", so Kranebitter.

Laut Hypo würde eine sofortige ungeordnete Abwicklung der Gruppe mindestens fünf bis sechs Milliarden Euro kosten. Unter anderem weil Haftungen schlagend und auch konzerninterne Finanzierungen umfallen würden. Die Hypo brauche jedenfalls eine "ausgewogene Auflagenstruktur".

2013 wird sehr schwieriges Jahr für die Hypo
Wie viel Zeit man tatsächlich brauche, werde von den Märkten abhängen. Das gilt für die Töchter im Süden und Südosten. Die Österreich-Bank hingegen soll flott verkauft werden und heuer in der Zielgerade sein. Kranebitter sprach heute von einer "guten Handvoll Interessenten" für die Hypo Österreich. Was das Umfeld betreffe, werde 2013 ein sehr schwieriges Jahr werden, schätzt der Hypo-Chef. "Möglicherweise das schwierigste seit der Notverstaatlichung."

"Kein Platz für Vergleich" im Streit mit BayernLB
Im Streit an einer anderen Front - nämlich mit der BayernLB - glaubt der Hypo-Chef an jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen "durch die Instanzen". "Platz für einen Vergleich" sehe der Hypo-Chef vorerst nicht. Es geht um jene Kreditmilliarden, die die einstige Mutter in der Hypo liegen hat. Kärntner Bank verweigert seit Dezember jede weitere Tilgung (siehe Story in der Infobox), da das Geld in ihren Augen Eigenkapitalersatz war. Die Bayern klagen ihrerseits auf Rückzahlung. Der Streit dürfte alle Ebenen erreichen, wenn man sich nicht vorher außergerichtlich einigt.

Lichtblick: Einmaleffekt sorgte für kleines Plus im Jahr 2012
Für einen Lichtblick sorgte Geschäftsbericht: Dank eines Einmaleffekts in dreistelliger Millionenhöhe weist die 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria für 2012 ein Ergebnis knapp an der Null-Linie aus - genauer gesagt einen Konzerngewinn nach Steuern und vor Minderheiten von drei Millionen Euro. Ohne brutto rund 140 Millionen Euro Sonderertrag aus dem Rückkauf eigener Hybrid- und Ergänzungsanleihen hätte es einen dreistelligen Millionenverlust gegeben.

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