„Krone“-Kolumnist Robert Schneider ist ein Kind des Sommers. Doch auch er musste erkennen, dass die Sonnenstrahlen in den vergangenen Wochen merklich an Kraft verloren haben.
Mein Sommer war vollendet schön. Das Leben floss dahin, ohne große Aufregung und Sorgen. Auch über die herrlichen Augusttage am laufenden Band durfte ich mich ungeniert freuen. Sie wurden mir nicht durch die noch im vergangenen Jahr täglich verbreiteten Horrorszenarien vergällt, was den Klimawandel betrifft. Ich freute mich einfach über so viel Sonne und hatte kein schlechtes Gewissen dabei.
Vergangene Woche, es war Mittwoch, setzte ich mich wie immer am Morgen auf die Terrasse, um meinen Kaffee zu trinken und in den Tag zu finden. „Du wirst dich erkälten“, mahnte meine Frau. „Nimm endlich zur Kenntnis, dass der Sommer vorbei ist.“ Ich setzte mich trotzdem ins Freie. Eine frische Brise werde ich wohl noch aushalten. Oder bin ich auch schon verweichlicht?
Ich erinnere mich noch an das Mediengeschrei, als zwecks Energieersparnis in den Büros unserer Nation die Heizungen auf 19 Grad eingefroren werden sollten. 19 Grad? Das ist Hitze! Ich springe heute noch in einen Bergbach, der knapp sieben Grad kalt oder warm ist. Je nach Standpunkt, von wo aus man es betrachtet. „Für dich ist das Glas immer halbvoll“, pflegt meine Frau zu sagen. „Du negierst die Realität.“ Dennoch: Es lebt sich schonender, wenn die Welt nicht jeden Tag kurz vor dem Untergang steht.
Gerade angenehm war es nicht auf der Terrasse, das gebe ich ehrlich zu. Aber als Kind kannte ich die Kälte. Unsere Schlafkammer war unbeheizt. Also werde ich im Alter nicht verweichlichen. Oder doch? Anderntags war meine Stimme weg, und eine fürchterliche Erkältung kam hinzu. Der Sommer ist vorbei, auch wenn ich ihn gerne festhalten möchte.
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