21.03.2013 14:47 |

Klassenbester

AMG-E-Klasse: Mit Allrad und 585 PS schlägt er alles

In den Sportabteilungen manches Herstellers dürften graue Haare gerade Hochkonjunktur haben. Der Mercedes E 63 AMG war ja schon bisher nicht als Spaßbremse verschrien, doch mit dem "Facelift" der E-Klasse hat AMG die Übersport-Limousine kreiert: Die Tuningversion der getunten Tuningversion leistet serienmäßig bis zu 585 PS, und das mit Allradantrieb.

Auf eine Testfahrt mit diesem Geschoss freuen sich gestandene Motorjournalisten wie die kleinen Buben. Ja, ich auch. Und so steige ich mit einem dezenten Grinsen im Gesicht ein in den mattsilbernen E 63 AMG S. Mit dem Starten des Motors lässt das Dezente im Grinsen etwas nach, dafür hebt mich die Gänsehaut etwas aus dem Sitz, weil die Tiefgarage unter dem Passeig de Gràcia in Barcelona dem 5,5-Liter-Biturbo-V8 einen hervorragenden Resonanzraum bietet. Sanft bollernd rolle ich hinauf in die Sonne, das Ziel ist ein Weg, nämlich die gut ausgebauten Bergstraßen am Montserrat.

Technische Spitze unter den Business-Sportlern
Ich bin unterwegs im neu eingeführten Topmodell der AMG-E-Klasse, das die Zusatzbezeichnung "S" trägt (ersetzt das bisherige AMG Performance Package). Damit hat man beim Mercedes-Haustuner in Affalterbach noch eins draufgesetzt. Schon die "normale" AMG-E-Klasse hat eine Leistungskur erfahren und kommt statt 525 PS nun auf 557 PS und ein maximales Drehmoment von 720 Nm von 1.750 bis 5.250/min. Erstmals hat man die Wahl zwischen Heck- und Allradantrieb. Die S-Version leistet besagte 585 PS und hat Allradantrieb serienmäßig.

Damit wird der Ausflug am Montserrat zur spielerischen Hochschaubahnfahrt par excellence. In 3,6 Sekunden reißt es den Wagen von 0 auf 100 km/h, weil das Drehmoment dank Allradantrieb nicht in Rauch aufgeht. Er verteilt die Kraft zu zwei Dritteln auf die Hinterachse, zu einem Drittel nach vorn, was den Heckantriebscharakter erhält. Mit 1.865 kg DIN-Leergewicht ist der Limousinensportler auch noch relativ leicht. Zum Vergleich: Ein BMW M5 (Heckantrieb, 560 PS) ist fünf Kilogramm schwerer. Mit Heckantrieb und 557 PS unterbietet der E 63 den M5 um glatte 100 kg, und im Normverbrauch mit 9,8 l/100 km um ein Zehntel. Der AMG S 4MATIC kommt auf 10,3 Liter, alle erfüllen die EU6-Norm.

Aber um den Verbrauch will ich mich natürlich auf diesen traumhaften Straßen nicht kümmern. Wie das bremst, wie das liegt, wie das beschleunigt, wie das fährt ist einfach ein Hammer. Präzises Anbremsen mit spürbarem Heck, exaktes Einlenken, brachiales Herausbeschleunigen, dabei ganz entspannt, ohne das Deo überzubeanspruchen. Zwischendurch bleibt sogar noch ein Auge für die herrliche Aussicht in die Serralada Prelitoral Catalana.

Das Sperrdifferenzial an der Hinterachse ist Serie, ebenso das "AMG RIDE CONTROL"-Sportfahrwerk mit elektronisch geregeltem Dämpfersystem. Die Vorderachse ist stahlgefedert, für die Luftfederung der Hinterachse lässt sich "Comfort", "Sport" oder "Sport plus" anwählen. Das ESP lässt sich den Bedürfnissen anpassen oder abschalten. Und der Sound ist echt. Man schwört Stein und Bein bei AMG, auch wenn es bei so einem Biturbomotor nicht leicht ist, man hat auf alle künstlichen Soundmacher wie Resonanzrohre oder noch Ärgeres verzichtet und trotzdem einen herrlichen Klang zustandegebracht.

Das alles hat seinen Preis. 143.700 Euro werden für den E 63 AMG 4MATIC S mindestens fällig, der Kombi kostet gut 3.000 Euro mehr. Der heckgetriebene E 63 startet bei 123.500 Euro. Das Höchsttempo ist dabei auf 250 km/h begrenzt, wenn man das Drivers Package ordert, wird der Riegel erst bei 300 km/h vorgeschoben.

Wer es gern schnell, aber nicht so gern protzig hat, dem sei ein neuer Posten der Aufpreisliste ans Herz gelegt: Erstmals kann man die Sportler (gegen Aufpreis) auch mit einem Understatement-Paket ordern, womit sogar der AMG S aussieht wie eine harmlose Avantgarde-E-Klasse mit AMG-Paket. Damit der Neid der Nachbarn nicht noch größer wird. Und beim Fahrer wirkt der Wagen trotzdem gegen die Midlife Crisis. Gegen graue Haare allerdings nicht.

Warum?

  • Es dürfte schwer werden, in der Fahrzeugklasse was Besseres zu finden.

Warum nicht?

  • Hier lassen sich finanzielle und ökologische Gründe anführen, auch wenn der Verbrauch im Verhältnis zum Gebotenen extrem günstig ist.

Oder vielleicht …

… BMW M5, Audi RS6

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