Behörde sucht Ursache
Lokführer hatte keine Chance, den Zug zu stoppen
Nach der Entgleisung eines Hochgeschwindigkeitszugs im Süden Spaniens prallte dieser mit einem entgegenkommenden Zug aufeinander, wobei mindestens 39 Menschen ums Leben kamen. Nun prüfen spanische Industrieingenieure und die staatliche Kommission zur Untersuchung von Eisenbahnunfällen mögliche technische Ursachen.
Zur Unglücksursache des am Sonntagabend entgleisten Hochgeschwindigkeitszugs des Herstellers Iryo, der mit einem entgegenkommenden Zug der Eisenbahngestellschaft Renfe auf dem Weg von Málaga nach Madrid zusammenkrachte, gibt es neue Erkenntnisse.
Rätsel um Entgleisung auf sanierter Strecke
Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente hatte den Unfall zunächst auf dem geraden Streckenabschnitt in Adamuz (Provinz Córdoba) als „extrem ungewöhnlich“ eingeordnet, da der Zug auf einem „gerade erst für 700 Millionen Euro sanierten Streckenteil“ entgleist war. Auch die Zug-Firma Iryo hatte erklärt, dass der entgleiste Zug „relativ neu“ gewesen sei, im Jahr 2022 gebaut und erst am 15. Jänner, also vier Tage vor dem Unglück, inspiziert worden wäre.
Menschliches Versagen wurde von Experten jedenfalls ausgeschlossen. Jorge Trigueros, Ingenieur für Straßen-, Kanal- und Hafenbau, hatte im Gespräch mit dem spanischen Fernsehsender „Canal 24 Horas“ die Sicherheitsmaßnahmen für Hochgeschwindigkeitszüge analysiert. Auf die Frage, was passiert, wenn ein Zug schneller als vorgeschrieben fährt, erklärte er, dass „das Sicherheitssystem dies nicht zulassen würde“, weil auf dem Streckenabschnitt eine Maximalgeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde erlaubt sei. Wenn die Balisen ein Hindernis erkennen, „hält der Zug automatisch an“.
Balise
Auch Bake genannt, sind Informationspunkte, also technische Einrichtungen im Eisenbahngleis, die bahnbetriebliche Informationen speichern und sie an Züge übertragen, die den Ort der Balise passieren.
Renfe-Zugführer ohne Ausweg
Der bei der Katastrophe gestorbene Lokführer des entgegenkommenden Renfe-Zuges hatte keine Möglichkeit, seine Bahn noch rechtzeitig abzubremsen, da er bei mehr als 200 Kilometern pro Stunde laut Experten nicht rechtzeitig hätte reagieren können, da die beiden Hochgeschwindigkeitszüge nur etwa 20 Sekunden nach dem Entgleisen kollidiert waren. Auch die Systeme, die ein belegtes Gleis erkennen und den Zug zum Anhalten zwingen, konnten nichts mehr bewirken.
Untersuchung konzentriert sich auf Räder und Infrastruktur
Der Präsident des Generalrats der Industrieingenieure, César Franco, erklärte in der Fernsehsendung „La hora de La 1“ nun, dass sich die erste Untersuchung des Unfalls auf die Räder des entgleisten Iryo-Hochgeschwindigkeitszugs konzentrieren werde. „Die Räder eines Zuges sind nicht zylindrisch, wodurch sich der Zug automatisch auf den Gleisen ausrichtet. Bei einem Defekt am Rad bei einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde ist der Handlungsspielraum minimal“, sagte er.
Álvaro Fernández Heredia, Präsident des Bahnunternehmens Renfe sagte außerdem zum Radiosender „Cadena SER“, dass „es sich um einen Defekt am Rollmaterial oder an der Infrastruktur gehandelt haben muss“. Wie die Zeitung „El Mundo“ berichtet, liegen die technischen Untersuchungen bei der dem Verkehrsministerium unterstellten Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle (CIAF). Eine abschließende Klärung dürfte mehrere Monate in Anspruch nehmen.










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