Die US-Regierung hat, unterstützt von 16 Bundesstaaten, am Montag eine 128-seitige Klage gegen die New Yorker Ratingagentur wegen zu positiver Bewertungen von Wertpapieren im Jahr 2007 eingereicht. Diese sollen zur US-Kreditkrise und in Folge zur weltweiten Finanzkrise beigetragen haben, da plötzlich selbst mit der Bestnote ausgezeichnete Hypothekenpapiere schlagartig an Wert verloren.
S&P habe die Risiken bewusst heruntergespielt, so die US-Regierung, die ihre Vorwürfe anhand der E-Mails beweisen will. Um Aufträge zu ergattern, habe die Ratingagentur mit Absicht zu positiv bewertet - schließlich wurden die Ratings von jenen Banken, die die fraglichen Wertpapiere auch verkaufen wollten, bezahlt.
"Wir geben jedem Deal ein Rating"
Tatsächlich scheinen die E-Mails die Vorwürfe zu erhärten, berichtet unter anderem "Spiegel Online". So schrieb etwa im April 2007 ein Analyst über ein fragwürdiges Hypothekenwertpapier: "Dieser Deal ist lächerlich. Wir sollten ihm kein Rating geben", woraufhin seine Kollegin zustimmte: "Das Modell erfasst nicht mal die Hälfte des Risikos." Allerdings gab sie zu bedenken: "Wir geben jedem Deal ein Rating... Er könnte von Kühen strukturiert werden, wir würden ihm ein Rating geben."
"Wild drehender Kreisel, der schlecht enden wird"
Dass das Geschäft mit den Ratings nicht auf ewig gutgehen konnte, schwante S&P-Direktor David Tesher schon im Dezember 2006. In einem vertraulichen Memo schrieb er: "Dieser Markt ist ein sich wild drehender Kreisel, der schlecht enden wird." Ein anderer S&P-Mitarbeiter hoffte im selben Monat, "dass wir alle reich und pensioniert sind, wenn dieses Kartenhaus zusammenbricht". Bei einem anderen wurden Zweifel laut. Er ließ via E-Mail wissen, er fühle sich "persönlich nicht wohl dabei, das abzusegnen".
Analyst: S&P hat "das verbockt"
Problematisch für S&P könnte auch ein E-Mail-Wechsel zwischen einem neu angeheuerten S&P-Analysten und einem Investmentbanker vom Juli 2007 sein. Darin schreibt der Analyst, es gebe "großen internen Druck bei S&P, viele Deals schon früher herunterzustufen, bevor diese Sache in die Luft fliegt". Offenbar war dem Unternehmen also bereits klar, was die zu positiv bewerteten Papiere anrichten würden. Doch die Führung wolle ihre Klienten nicht verärgern, so der Analyst: "Wir haben das verbockt." Das Vorgehen werde Konsequenzen haben: "Aber wenn du denkst, es ist jetzt schlimm, warte nur die nächste Woche ab."
Ratingagentur wehrt sich, doch Aktie fällt
S&P will all diesen E-Mails naturgemäß keine Bedeutung zumessen. Sie seien "aus dem Zusammenhang gerissen", heißt es, und "reflektieren nicht unsere Kultur, Integrität oder wie wir Geschäfte machen". Das Unternehmen hat mit Floyd Abrams einen der besten Anwälte des Landes angeheuert. Dennoch stürzte die Aktie des mitangeklagten S&P-Mutterkonzerns McGraw-Hill am Dienstag um fast elf Prozent ab. Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Unternehmen eine Geldstrafe von fünf Milliarden Dollar, der letzte Jahresumsatz lag bei 6,25 Milliarden.
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