Die Kassenmediziner sind völlig überlaufen. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wartet man bis zu drei Monate auf einen Termin. Die Bevölkerung wächst rasant, nicht jedoch die Anzahl der Stellen.
Seit 2012 ist die Wiener Bevölkerung um 16 Prozent gewachsen, hinzu kommt der Familiennachzug. Laut Ärztekammer sei das gesamte Kassensystem unterfinanziert, die vorhandenen Kassenstellen würden nicht reichen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Das zeigt auch die Entwicklung der Wartezeiten, die sich in der Kinder- und Jugendheilkunde seit 2012 auf acht Tage für einen Kontrolltermin verdoppelt haben.
Hohe Auslastung
Besonders erschreckend: Mehr als die Hälfte der Kassenkinderärzte kann aufgrund der Auslastung keine neuen Patienten mehr annehmen. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wartet man auf einen Termin im Median-Vergleich sogar drei Monate.
Derzeit gibt es in der Kinder- und Jugendheilkunde laut Ärztekammer 74,5 aktive Kassenstellen, zwei sind unbesetzt, 13,5 Stellen wurden zugeteilt, sind aber noch nicht aktiv. Eklatante Unterschiede gibt es nach Bezirken.
Bedarfserhebung verbessern
„Neben der Attraktivierung der Kassenstellen braucht es laufende Anpassungsmöglichkeiten des Bedarfs der benötigten Kassenstellen“, sagt die Vizechefin der Ärztekammer, Naghme Kamaleyan-Schmied. Die Bedarfserhebung für Kassenplanstellen würde noch immer auf den Bevölkerungszahlen von 2016 beruhen.
Immer mehr Keuchhusten-Fälle
Der Gesundheitsdienst und die Wiener Ärztekammer schlagen aber noch aus anderem Grund Alarm. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Hauptstadt bereits jetzt 14-mal so viele Fälle von Keuchhusten. In Europa gab es jedenfalls einige Todesfälle unter Kindern. Experten raten daher zur Impfung. Diese ist für Kinder sogar kostenlos. Das Problem: Die Auffrischung ist es nicht. Viele verzichten daher darauf.
Doch Keuchhusten ist für Kinder gefährlich und kann auch Erwachsene deutlich schwächen. Die Ärztekammer fordert daher eine kostenlose Impfung und Testungen – auch auf Influenza, RSV und Corona. Denn die Symptome würden sich oftmals ähneln und so könnte eine Überlastung des Gesundheitssystems in der Erkältungssaison verhindert werden.
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