Nach Schießerei

Polizei enttarnt Ex-Kollegen als “Superhelden”

Ausland
24.01.2013 13:55
Metropolis hat Superman, Gotham City hat Batman - und Buenos Aires hat Menganno. Seit mehr als zwei Jahren patrouilliert der selbst ernannte Superheld in einem Vorort der argentinischen Hauptstadt, um auf eigene Faust Verbrechern das Handwerk zu legen. Doch nun geschah, wovor sich jeder kostümierte Held fürchtet: Die Polizei ließ die Geheimidentität Mengannos auffliegen, weil er sich in Zivil eine Schießerei mit mehreren Gangstern geliefert hatte. Demnach steckt hinter der Maske ein Ex-Polizist - der sich jetzt selbst vor Gericht verantworten muss.

Menganno selbst beschreibt sich in Interviews stets als nobler Superheld, der in Lanús, einem Vorort von Buenos Aires, Menschen in Not auf seinem Motorrad zu Hilfe eile. "Ich bin ein echter Superheld aus Fleisch und Blut", erklärte er in einem Interview im Jahr 2010 gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ungerechtigkeit verabscheue er. Auf seiner Facebook-Seite und in Videos auf YouTube posiert der Superheld lächelnd mit Kindern und Passanten.

Verbrecherjagd mit Schutzschild und Pefferspray
Auf Verbrecherjagd geht Menganno stes mit einer blau-weißen Maske getarnt, einer Art Schutzanzug bekleidet und einem runden Schutzschild mit dem Emblem "M" ausgerüstet. "Bewaffnet" ist er eigenen Angaben zufolge bei seiner Arbeit nur mit einer Taschenlampe, einem Kompass und Pfefferspray. Von einer Schusswaffe wolle der Maskierte hingegen, wie auch die Mehrheit seiner Comic-Vorbilder, auf Patrouille keinen Gebrauch machen.

Frau und Kinder wussten von Mission
Wer sich hinter Mengannos Maske verbirgt, blieb trotz des medialen Interesses am Treiben des "Superhelden" stets geheim. Seine Frau und Kinder wüssten von seiner Mission auf den Straßen von Lanús, sagte er AFP. Sie würden ihm helfen, seine Geheimidentität zu bewahren. Damit ist nun aber Schluss: Wie die Polizei am Mittwoch bekannt gab, steckt hinter dem Maskierten der frühere Polizist Oscar Lefosse. Ausgerechnet eine Schießerei mit mehreren Räubern hatte letztlich zum Auffliegen der Geheimidentität des 43-Jährigen geführt.

Gegenüber den Beamten gab der Ex-Kollege an, drei Gangster hätten am vergangenen Montag das Feuer auf den Wagen eröffnet, in dem er - in seiner zivilen Identität - mit seiner Frau gesessen sei. Daraufhin habe er mit seiner Glock-Pistole zurückgeschossen. Auf Facebook postete Menganno Fotos eines von mehreren Kugeln durchsiebten Fahrzeugs (Bild).

Polizist: "Er hätte jemanden töten können"
Doch ein Polizeibeamter widerspricht den Angaben des "Superhelden". Demnach seien die Schüsse auf das Fahrzeug allesamt aus dem Innern des Autos abgefeuert worden. "Er hätte jemanden töten können, einen unschuldigen Passanten. Er ist unverantwortlich", sagte der Polizist der argentinischen Nachrichtenagentur Telam.

Und weil die Lizenz für die Waffe den Angaben des Beamten zufolge bereits im vergangenen Jahr abgelaufen war, muss sich der "Superheld" demnächst wegen Tragens einer Waffe ohne Lizenz vor Gericht verantworten. Spannend bleibt, ob der 43-Jährige dann als Menganno vor den Richter treten wird.

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