"Costa Concordia"
Trauriger Jahrestag: Gebete und Tränen bei Gedenkfeier
Die Gedenkfeiern starteten mit der Wiederherstellung des von dem Kreuzfahrtschiff beschädigten Riffs. Die "Costa Concordia" hatte in der Unglücksnacht das Riff gerammt und den Felsen herausgerissen. Danach wurde auf der Insel eine Messe gefeiert, an der sich Hunderte Angehörige der Opfer und viele Überlebende der Unglücksnacht beteiligten. Zahlreiche Überlebende hatten Tränen in den Augen, als sie sich bei der Messe die Hände hielten und für die Todesopfer beteten.
Angehörige der letzten beiden Vermissten auch vor Ort
An der Messe beteiligten sich auch die Angehörigen der letzten beiden Vermissten des Unglücks, eines indischen Crew-Mitglieds sowie einer italienischen Passagierin. Bischof Guglielmo Borghetti dankte den Bewohnern von Giglio, die nach dem Unglück zum Hafen geeilt waren, um den mehr als 4.000 Schiffbrüchigen zu helfen.
Vor der Insel, wo das Wrack des 290 Meter langen Schiffs noch immer auf der Seite liegt, warfen Trauernde Blumen ins Meer und legten eine Schweigeminute ein. Ein Boot gab 32 Salutschüsse ab, einen für jedes Opfer.
Das mit 4.200 Passagieren - darunter auch 77 Österreichern - besetzte Schiff war am 13. Jänner 2012 vor Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und binnen Stunden gesunken. Nach dem Unglück war heftige Kritik an der Betreibergesellschaft und am Kapitän laut geworden. Das Schiff sei viel zu spät evakuiert worden, der Kapitän Francesco Schettino zu früh von Bord gegangen. Er habe Hunderte Passagiere im Stich gelassen, hieß es. Schettino drohen wegen fahrlässiger Tötung 20 Jahre Haft pro Todesopfer, der Prozess soll in den nächsten Monaten beginnen.
Schettino gibt seiner Crew die Schuld am Unglück
Schettino selbst stellte sich indessen in einem Interview am Jahrestag des Unglücks erneut als Opfer dar. Sämtliche Schuld sei auf ihn abgewälzt worden, "weil ich den Angaben gefolgt bin, die mir gemacht wurden", beklagte er sich am Sonntag im italienischen Fernsehen.
Der indonesische Steuermann habe eines seiner auf Englisch gegebenen Kommandos falsch verstanden, beteuerte der Schiffskapitän. "Wenn der Steuermann richtig verstanden hätte, wäre das Schiff vorbeigefahren und nichts wäre passiert." Zudem habe ihn der Diensthabende am Radar nicht gewarnt, "dass wir Land vor uns hatten. Man hat mir gesagt, alles wäre in Ordnung".
Den Hinterbliebenen der Opfer versicherte Schettino zugleich, dass auch er um die Toten trauere. "Seit dem 13. Jänner 2012 und bis zum Ende meines Lebens werde ich in meinem Herzen eine sehr persönliche Verbindung zu den Familien der Opfer haben."
Bergung des Wracks soll vor dem Sommer erfolgen
Die "Costa Concordia" selbst liegt auch heute noch vor Giglio auf Grund. Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, Betreiber des Kreuzfahrtschiffs, rechnet mit Bergungskosten für das Wrack von 400 Millionen Dollar (etwa 305 Mio. Euro). Das wären 100 Millionen Dollar mehr als bisher angenommen. Einen genauen Termin für die Bergung des Schiffes wollte Costa Crociere in einer Pressekonferenz an Samstag nicht nennen. Allerdings rechne man mit einer Bergung noch vor dem Ende des Sommers.
Zivilschutzchef Franco Gabrielli versuchte die Kritiker zu beruhigen und versicherte, dass bisher die Umweltbelastung wegen des Wracks im Meer "absolut minimal" gewesen sei. Der Zivilschutz habe stets mit Transparenz gehandelt. "Wir haben niemals Daten über die Umweltlage rund um die Insel Giglio verheimlicht", so Gabrielli.
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