Krawalle dauern an
Belfast: Polizei mit Brandsätzen und Ziegeln attackiert
Rund 1.000 Menschen protestierten am Montagabend zunächst friedlich vor dem Rathaus, während der Stadtrat erstmals seit seinem umstrittenen Flaggen-Beschluss wieder tagte. Zu den neuerlichen Ausschreitungen kam es, als etwa 250 pro-britische Protestanten auf dem Rückweg vom Rathaus auf Katholiken stießen. Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten, worauf es Steine und Brandsätze auf die Beamten hagelte. Die pro-britischen Demonstranten hatten eine Barrikade errichtet und angezündet. Vier Personen wurden festgenommen.
Die Proteste im zu Großbritannien gehörenden Nordteil der irischen Insel richten sich gegen eine Entscheidung des von pro-irischen Politikern dominierten Stadtrats von Belfast vom 3. Dezember, die britische Flagge nicht mehr jeden Tag auf öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus wehen zu lassen, sondern nur noch an wenigen Tagen im Jahr. Dagegen wehren sich pro-britische Protestanten, die eine Loslösung von Großbritannien befürchten und in dem Beschluss ein zu großes Zugeständnis an die nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken sehen. Die ständig gehisste britische Flagge auf dem Rathaus ist eine 100 Jahre alte Tradition.
Politiker ratlos: "Wir müssen einen Weg finden"
Beratungen von Politikern und Kirchenvertretern darüber, wie die Gewalt gestoppt werden könnte, waren bisher erfolglos. Robin Newton von der protestantischen Democratic Unionist Party rief zu Besonnenheit auf. "Wir müssen einen Weg finden, um da herauszukommen, aber wie wir das machen, weiß ich nicht", sagte er und verwies darauf, dass von den Demonstranten keine klaren Forderungen erhoben würden. Michael Copeland von der ebenfalls protestantischen Ulster Unionist Party sagte, es gebe keinen Ansprechpartner unter den Demonstranten.
Polizeichef Matt Baggott warf der paramilitärischen Ulster Volunteer Force vor, die Gewalt zu steuern. Bereits seit Donnerstag letzter Woche gibt es in Belfast ständig Ausschreitungen. Nach Angaben der Polizei wurden bisher mehr als 50 Beamte verletzt, zudem gab es 70 Festnahmen. Ein 38-jähriger Mann wurde wegen des Verdachts auf versuchten Mord verhaftet.
Jahrzehntelanger Konflikt forderte Tausende Tote
In drei Jahrzehnten gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen pro-britischen Protestanten und den nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken wurden rund 3.500 Menschen getötet. Mit dem Karfreitagsabkommen 1998, das die Machtteilung zwischen Protestanten und Katholiken vorsieht, wurde der Nordirland-Konflikt weitgehend beendet.
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