Albtraum ohne Ende
Berlin: Eröffnung des Airports zum 4. Mal verschoben
"Es wird in diesem Jahr keinen Eröffnungstermin geben", hieß es am Sonntagabend aus Aufsichtsratskreisen der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg. Ein neuer Termin sei demnach noch offen. Zuletzt war die mehrmals verschobene Eröffnung für den 27. Oktober 2013 geplant gewesen. Die "Bild"-Zeitung berichtete, die Flughafenbetreiber hätten die Gesellschafter bereits am 18. Dezember informiert, dass eine Eröffnung aufgrund massiver Baufehler nicht vor dem Jahr 2014 möglich sei.
Der "Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt" mit dem weltweiten Kürzel BER soll die alten Airports in Tegel und Schönefeld ersetzen. Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent sowie der Bund mit 26 Prozent. Weder Sprecher des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit, der Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats ist, noch des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (beide SPD) waren am Sonntagabend für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch seitens der Flughafengesellschaft gab es keine weiteren Informationen.
Überall am Airport massive Technik-Schwierigkeiten
Völlig überraschen konnte die erneute Notbremsung allerdings nicht. Nach immer neuen, hartnäckigen Technik-Schwierigkeiten und monatelang stockenden Arbeiten auf der Großbaustelle in Schönefeld waren die Zweifel am Zeitplan des Flughafen-Managements mehr und mehr gewachsen. Bedeutsam scheint eine Ortsbegehung am 18. Dezember gewesen zu sein.
Damals hatte sich der als Hoffnungsträger geholte neue Technikchef des Airports, Horst Amann, mit Vertretern der Firmen getroffen, welche die Brandschutzanlage installieren und nun nachbessern sollen - sie ist das größte Sorgenkind im Terminal. Zu dem komplexen System gehören eine Entrauchungsanlage, die Brandmeldeanlage, ein Warnsystem für Notfälle, die Steuerung der Türen bei einer Evakuierung des Gebäudes sowie die Sprinkleranlage zum automatischen Löschen.
Nach Informationen der "Bild" schloss Amann noch am selben Tag in einer vertraulichen Besprechung aus, dass es mit einer Eröffnung heuer noch etwas werden könne. Hauptproblem: Beim Brandschutz sei abweichend von der Baugenehmigung gebaut worden. Wie ein neuer Zeitplan aussehen könnte, ist vorerst völlig offen - auch, ob überhaupt noch ein konkreter neuer Termin genannt wird. Denn im Terminal gibt es noch andere Probleme, etwa bei der Kühlung des zentralen Computersystems, bei den Rolltreppen und der unterirdischen Betankungsanlage.
Zudem warnt ein Gutachten laut "Bild" vor möglichen Engpässen bei Gepäckausgabe, Abfertigung und Sicherheitskontrollen. Die acht Gepäckbänder seien "für die Verkehrslast nur eingeschränkt ausreichend, da keinerlei Systemreserven zur Verfügung stehen", zitierte die Zeitung aus dem Papier der Beratungsfirma Airport Research Center. Wenn nur ein Band ausfalle, könne dies demnach zum Chaos führen. Das Unternehmen untersucht in regelmäßigen Abständen die Kapazität des neuen Airports auf Basis der angemeldeten Flüge.
"Unfähigkeit" und "absolutes Versagen" Wowereits
Endgültig eng werden dürfte es nun für Flughafenchef Rainer Schwarz. Zwar stützen ihn im Aufsichtsrat bisher die größeren Gesellschafter Berlin und Brandenburg, doch CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer sprach dem Manager bereits ungeschminkt das Misstrauen aus. "Der Steuerzahler darf nicht an der Nase herumgeführt werden", meinte Ramsauer. Und auch Oberkontrolleur Wowereit gerät unter immer größeren Druck. Der grüne Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin warf dem Bürgermeister in der Nacht auf Montag auf Twitter "wurstige Unfähigkeit" vor. "Das war's jetzt, Klaus", schrieb Trittin.
Seine Parteikollegin Ramona Pop, Fraktionschefin im Berliner Abgeordnetenhaus, kündigte noch für diese Woche einen Misstrauensantrag gegen Wowereit an, dem sie "absolutes Versagen" vorwarf. "Es ist ein riesiger Schaden für die Stadt", so Pop. Sie sei "fassungslos", dass die Verschiebung offensichtlich seit Mitte Dezember bekannt gewesen sei. Der Bürgermeister sei in den Weihnachtsurlaub gefahren und habe alle in Unkenntnis gelassen. "Wenn das tatsächlich stimmt, wird es natürlich Konsequenzen haben", betonte Pop.
Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Oliver Luksic, forderte Wowereit zum Rücktritt auf. Dies sei "nach diesem kompletten Versagen unvermeidlich - er bekommt das Flughafen-Chaos nicht in den Griff".
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