Schweiz und Bayern

Mega-Hochwasser auch in den Nachbarländern

Ausland
24.08.2005 10:41
Nicht nur in Österreich ist die Hochwassersituation dramatisch. Auch in Bayern, der Schweiz und Südtirol herrschen katastrophale Zustände. Die Altstadt von Luzern ist überflutet, in Bayern drohte eine Autobahnbrücke einzustürzen.

In der Schweiz sprechen die Behörden vom schlimmsten Hochwasser seit Jahrzehnten. Nach dem Tod zweier Feuerwehrleute haben die Unwetter weitere Tote gefordert: Im Zürcher Oberland holte die Polizei eine Leiche aus einem Bach. Im Bündnerland ertrank eine Frau in der Landquart. Aus Brienz wurde eine tote und eine vermisste Person gemeldet. Auch aus dem Walensee wurde eine Leiche geborgen. 

Die Lage in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten der Zentralschweiz hat sich in der Nacht zum Mittwoch aber beruhigt. Den Behörden wurden keine weiteren Schäden oder Ereignisse gemeldet. In Luzern, wo die Altstadt überflutet wurde, heulten zwar die Sirenen. Es handelte sich aber um einen Fehlalarm, wie der Rundfunk berichtete.

Behörden und Privatleute hatten versucht, mit Sandsäcken Keller und historische Gebäude zu schützen. Auch Teile der Hauptstadt Bern stehen unter Wasser. Zahlreiche Flüsse sind in der Zentralschweiz über die Ufer getreten. 

Auch weite Teile von Interlaken sind überflutet. Die Gemeinden Grindelwald und Lauterbrunnen sind von der Umwelt abgeschnitten. Tausende Bewohner wurden evakuiert. In den innerschweizer Kantonen Uri und Schwyz sind Autobahnen gesperrt und der Schienenverkehr lahm gelegt. Auch in Davos traten die Flüsse über die Ufer. Im bekannten Wintersportort Klosters wurden 70 Menschen aus einem Altenheim in Sicherheit gebracht. Die Zugstrecke der Gotthardlinie ist für mehrere Tage unterbrochen. 

Garmisch von Außenwelt abgeschnitten
Heftige Regenfälle haben am Dienstag weite Teile Südbayerns in ein Chaos gestürzt. Ortschaften wurden von den Wassermassen überflutet und Brücken fortgerissen, zahllose Straßen und Bahnlinien waren unpassierbar. In fünf Landkreisen herrschte Katastrophenalarm. Garmisch-Partenkirchen war von der Außenwelt abgeschnitten, das öffentliche Leben brach weitgehend zusammen. Hunderte Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr, Rotem Kreuz und Polizei waren im Einsatz.

Katastrophenalarm herrscht mittlerweile in Kempten, Augsburg, Penzberg im Landkreis Weilheim-Schongau sowie in den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen. In Augsburg drohte eine Autobahnbrücke einzustürzen. Die Autobahn A 8 München- Stuttgart wurde deshalb total gesperrt.

Hunderte Keller standen allein im Landkreis Garmisch-Partenkirchen unter Wasser, die Autobahn A 95 München-Garmisch war ab Sindelsdorf wegen Überflutung gesperrt. "In Garmisch sind wir in einer Chaos- Phase", sagte Polizeisprecher Bernd Putzer. Selbst Rettungskräfte hätten Schwierigkeiten, zu der Marktgemeinde am Fuß der Zugspitze vorzudringen. Im nahe gelegenen Eschenlohe brach auf einer Länge von 50 Metern ein Damm. Hunderte Helfer versuchten mit Sandsäcken, die Fluten einzudämmen. Auf den Straßen stand teilweise 20 Zentimeter hoch das Wasser. Bereits in der Nacht waren Teile des Ortes evakuiert worden.

Teilweise fielen binnen 24 Stunden zwischen 100 und 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Auf der Mindelheimer Hütte im Allgäu maß der Wetterdienst Meteomedia rekordverdächtige 217 Liter, in Oberstaufen waren es 148 Liter und in Garmisch-Partenkirchen 105 Liter.

Die Bahnlinien zwischen Kempten, Immenstadt, Oberstdorf und Oberstaufen wurden wegen Hochwasser- und Murengefahr geschlossen. Auch die Bahnverbindungen zwischen Weilheim und Dießen sowie von Murnau nach Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen wurden eingestellt. Der Grenztunnel zwischen Füssen und Österreich wurde ebenfalls gesperrt.

Auto „Dach unter“ versunken
Auch im Allgäu meldete die Polizei "teilweise Land unter". Neben Kempten, wo die Iller bereits übertrat, seien auch Immenstadt und Sonthofen im Landkreis Oberallgäu betroffen. Die B 19 musste zwischen Martinszell und Immenstadt sowie zwischen Sonthofen und Oberstdorf gesperrt werden. Balderschwang an der Grenze zu Österreich war nach Murenabgängen völlig abgeschnitten und konnte nur noch aus der Luft erreicht werden. Das Kleine Walsertal war ebenfalls für den Verkehr gesperrt. In Kempten wurden Autobesitzer aufgefordert, ihre Autos in Sicherheit zu bringen. 

Eine 19-Jährige wurde leicht verletzt, als sie auf der B 310 zwischen Wertach und Unterjoch im Allgäu mit ihrem Wagen ins Schleudern geriet. Das Auto stürzte in eine überflutete Wiese und versank mit dem Dach nach unten bis zu den Reifen. Ein Lastwagenfahrer, der den Unfall beobachtet hatte, alarmierte einen Bekannten und zog das Auto aus dem Wasser. Die 19-Jährige überlebte in der Luftblase im Wagen.

Autobahnbrücke droht einzustürzen 
Eine provisorische Autobahnbrücke der Autobahn A 8 über den Hochwasser führenden Lech bei Augsburg droht einzustürzen. Die Brückenpfeiler seien unterspült, sagte ein Polizeisprecher. Die A 8 Stuttgart-München wurde zwischen Augsburg und Gersthofen total gesperrt. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei organisieren vor Ort den Verkehr und notwendige Hilfsmaßnahmen. Menschen seien nicht gefährdet.

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