Rückblende: Am Samstag, dem 10. November, wird der kalifornische Bauunternehmer Gregory Faull in seinem Haus auf der Insel Ambergris Caye vor der Nordostküste Belizes mit einer Schusswunde im Kopf tot aufgefunden. Als dringend tatverdächtig gilt sein Nachbar, der Antivirus-Pionier John McAfee. Er soll deshalb vernommen werden, doch eine Durchsuchung seines Anwesens verläuft erfolglos, wie die Behörden schildern.
McAfees Sicht der Dinge ist eine andere: Er vermutet hinter der ganzen Sache einen Komplott der Regierung. Belize, eine "gewalttätige und verlogene Gesellschaft mit einer korrupten Polizei und Regierung", habe sich gegen ihn verschworen. Der Anschlag habe nicht Faull, sondern ihm gelten sollen, berichtete McAfee dem US-Magazin "Wired" nach der Razzia per Telefon. Dem Zugriff der Behörden konnte er sich entziehen, indem er sich auf seinem Anwesen im Sand versteckte.
Haut mit Schuhcreme gefärbt
Seitdem befindet sich McAfee auf der Flucht. Um unentdeckt zu bleiben, habe er sich seinen Bart und seine Haare fast weiß gefärbt, die Haut im Gesicht, dem Nacken und an den Händen hingegen mittels Schuhcreme ebenso wie die Zähne dunkler gemacht. Kaugummis in den Backen und ein Tampon in der Nase halfen ihm indes, sein Gesicht dicker wirken zu lassen, wie er in seinem persönlichen Blog "The Hinterland" schildert.
"Leck mich um ausch!"
Mit wechselnden Verkleidungen, einem starken spanischen Akzent und einem veränderten Gang habe er sich in den Tagen darauf als Verkäufer für Holzschnitzereien oder Burritos ausgegeben. Ein anderes Mal mimte er eigenen Angaben zufolge einen deutschen Touristen. Mit teilweise bandagiertem Gesicht, einer Badehose sowie einem geschmacklosen und viel zu großem Hawaii-Hemd habe er jeden angeschrien, der ihm zuhören wollte: "Leck mich um ausch!", so McAfee wörtlich in seinem Blog.
McAfee als verdeckter Ermittler
Immer wieder sei er derart verkleidet zu seinem Haus zurückgekehrt und habe die Polizei beobachtet, schildert der 67-Jährige weiter. Insgesamt sieben Mal hätten die Beamten sein Anwesen seit seiner Flucht durchsucht – offenbar seien sie mehr damit beschäftigt, ihn zu finden, anstatt Faulls Mörder, schreibt McAfee, der im Verhalten der Polizei allerlei Merkwürdigkeiten entdeckt haben will.
So habe diese etwa behauptet, dass Faulls Leiche von dessen Haushälterin entdeckt worden sei. Wie er aus einem Gespräch mit Faulls Hausverwalter erfahren habe, hatte Faull jedoch gar keine Haushälterin. Der Hausverwalter selbst habe die Leiche gefunden. "Warum sollte die Polizei diesbezüglich lügen? Lügen haben immer einen Grund", so McAfee.
Kopfgeld für Ergreifung des Mörders
Merkwürdig sei auch, dass die Polizei die Leichen seiner vier auf dem Grundstück begrabenen Hunde exhumiert habe. Die Köpfe seien zu Untersuchungszwecken abgetrennt und wegtransportiert, die Körper jedoch wieder vergraben worden. "Wozu all das?", fragt sich McAfee und hat daher zwischenzeitlich via NBC Television ein Kopfgeld in Höhe von 25.000 US-Dollar für die Ergreifung des Mörders oder der Mörder seines Nachbarn in Aussicht gestellt.
Die andere Seite: Drogen, Waffen, junge Frauen
Den Aussagen McAfees stehen allerdings Berichte gegenüber, denen zufolge sich der 67-Jährige in den vergangenen Wochen zunehmend von seinen Kollegen entfernt haben soll und "unberechenbar" gewesen sei. Zudem soll der Softwarespezialist Kontakte ins kriminelle Milieu gehabt und sich mit einem der berüchtigsten Gangster in Belize eingelassen haben. Eine seiner Geliebten, "Amber Two", sei die Freundin eines inzwischen erschossenen Gangsters gewesen. Dessen Gang habe sie verfolgt, da sie ihren Boss an die Polizei verraten habe. "Rivalisierende Gangs jagen hierzulande andauernd die Freundinnen von Anführern", kommentiert McAfee.
Auch mit Drogen soll McAfee experimentiert haben. In Orange Walk auf dem Festland baute er ein Labor auf, um nach eigenen Angaben Dschungelpflanzen für medizinische Zwecke heranzuziehen. In Medienberichten war jedoch von Experimenten mit "bewusstseinserweiternden Substanzen" die Rede. Bereits im Frühjahr sei sein Haus deshalb sowie wegen des Verdachts auf illegale Schusswaffen durchsucht worden (siehe Infobox).
Mit Nachbar zerstritten gewesen
Auch das Verhältnis zwischen McAfee und dem Mordopfer Faull soll alles andere als rosig gewesen sein. Laut einem Bericht des Inselblatts "San Pedro Sun" sollen McAfee und Faull zerstritten gewesen sein. Der kalifornische Bauunternehmer soll sich wegen McAfees Hunden und der bewaffneten Leibwächter beschwert haben. Vor zwei Wochen seien seine vier Hunde vergiftet worden, sagt McAfee. Zwei Tage später war Faull tot.
Mit Virenschutz-Software reich geworden
John McAfee ist ein amerikanischer Programmierer, nach dem das 1987 gegründete Unternehmen McAfee und die gleichnamige Virenschutzsoftware benannt ist. Als einer der ersten Virenjäger in der Geschichte der Computerbranche und Erfinder eines der allerersten Virenprogramme, scheffelte McAfee Millionen, die er nach dem Börsengang seines Unternehmens 1999 für einen Ausstieg nach Belize nutzte.
Hier genoss er laut seinem jetzt veröffentlichten Tagebuch ein paradiesisches Leben, umgeben von teils deutlich jüngeren Frauen. Was in den Geschichten von John McAfee um ein Leben voller Intrigen, Gefahren und Sex Wirklichkeit und was Fantasie ist, ist schwer zu trennen. Tatsache ist, dass sein Nachbar tot in einer Blutlache gefunden wurde und dass die Behörden unter Hochdruck nach dem Ex-Virenjäger fahnden.l
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