Auf diesen Stromer haben wir gewartet: Der Citroën ë-C3 soll das Preisgefüge unter den Elektroautos durcheinanderbringen, weil er nicht nur günstig ist, sondern auch richtig gut sein soll. Also: nicht billig. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl war mit dem gar nicht so kleinen Kleinfranzosen im Burgenland unterwegs – seine Eindrücke hier im Video!
Erst mal ein paar Fakten: Seit dem Jahr 2002 hat Citroën von den ersten drei Generationen seiner Bestseller-Baureihe C3 insgesamt 5,6 Millionen Stück verkauft. Fast ein Drittel der Citroëns, die verkauft werden, sind C3s. Die vierte Generation baut auf der neuen „Smart Car“-Plattform auf, die für Elektroantriebe entwickelt wurde, aber auch Verbrenner und Hybridantriebe aufnehmen kann.
So kommt der C3 zunächst als Stromer und als Benziner, Ende des Jahres wird ein Vollhybrid nachgereicht. Für die drei Motorisierungen stehen zwei Ausstattungslevels zur Verfügung, You und Max.
Der Stromer unter 20.000 Euro
Auf 4,02 Meter Länge und 1,57 m Höhe sowie mit 2,54 m Radstand bietet das Mini-SUV auf der gleichen Grundfläche wie sein Vorgänger deutlich mehr Platz: bis zu fünf Erwachsene kommen unter, dazu 310 Liter Gepäck. Egal mit welchem Antrieb. Das günstigste Elektro-Modell steht mit 24.900 Euro in der Liste, kostet nach Abzug der Förderung also 19.500 Euro. Für die Version mit Topausstattung werden 4500 Euro Aufpreis fällig. In einem Jahr kommt ein ë-C3 mit einem Drittel weniger Reichweite zu einem Listenpreis ab 19.990 Euro.
Der Verbrenner kostet 16.490 bzw. 20.700 Euro.
Erstaunlich reifes Fahrverhalten
Antrieb, Fahrwerk und Lenkung sind bei allen Modellen identisch, lediglich dem jeweiligen Gewicht entsprechend eigens abgestimmt. Das weiterentwickelte Advanced Komfort Fahrwerk ist serienmäßig. Mit jeweils zwei progressiven hydraulischen Anschlagdämpfern pro Feder sorgt es für eine frappierend gute Verbindung aus erstaunlich gutem Fahrkomfort und präzisem Handling ohne jede Tendenz zum Schwammigen. Die Lenkung vermittelt mehr als ordentlichen Kontakt zur Fahrbahn, arbeitet ungeahnt griffig und direkt.
Fährt spritzig, aber nicht sehr weit
Der permanenterregte Synchronmotor unter der Fronthaube liefert 83 kW/113 PS sowie 120 Nm und soll das ohne Fahrer 1344 bis 1485 kg schwere Auto in 11,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Spitze offiziell 132 km/h, tatsächlich waren es im Test 134 km/h. Die Batterie speichert 44 kWh brutto, was für eine WLTP-Reichweite von 324 Kilometern reichen soll. Ein absolut vernünftiger Wert für ein City Car.
Geladen wird mit bis 100 kW Gleichstrom, dann füllt sich der LFP-Akku in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Wechselstrom lädt der ë-C3 serienmäßig nur mit 7,4 kW, der 11-kW-Lader kostet 400 Euro extra.
Zwei Rekuperationsmodi sorgen dafür, dass während der Fahrt Bremsenergie eingesammelt wird, wenn man den Fuß vom „Gas“ nimmt. Das Bremspedal wirkt ausschließlich auf die hydraulische Bremse.
Für noch konsequentere urbane Nutzung wird für das künftige Einstiegs-Strom-Modell eine Reichweite von 200 Kilometer versprochen.
Anständiger Dreizylinder
Bis auf ein teilweise vernehmbares Sirren geht es im Stromer sehr leise zu. Doch auch der Dreizylinder-Benziner glänzt mit guten Manieren ebenso wie mit Antrittsstärke. Der 1,2-Liter-Turbo ist gut gedämmt und kommt mit nur minimaler Verzögerung kräftig zur Sache. 100 PS und 205 Nm bei 1750/min. stehen im Datenblatt, die Kraft wird über ein präzise zu schaltendes manuelles Sechsganggetriebe an die Vorderräder übermittelt.
Der Hybrid wird erst später vorgestellt. Er kombiniert den Dreizylinder mit einem 21 kW und 55 Nm starken E-Motor.
Brauchbare Basisausstattung
Die Basisausstattung You umfasst das Nötigste, etwa elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, Tempomat, manuelle Klimaanlage oder LED-Scheinwerfer. Verzichten muss man auf die 17-Zoll-Aluräder, stattdessen bekommt man 16-Zoll-Stahlfelgen mit Radzierkappen. Außerdem bekommt man statt eines 10,25-Zoll-Touchscreens eine zentral montierte Halterung, die das Handy via App und NFC zum Bediensystem macht. Dafür bekommt man drei Drehknöpfe für die Klimaanlage, muss jedoch mit einer billigeren Materialanmutung vorliebnehmen.
Mit Max-Ausstattung sind dann sehr viel mehr Annehmlichkeiten an Bord, von der Klimaautomatik bis hin zur recht groben Rückfahrkamera, dazu die "Dachreling" und die aufpreisfreie Wahl zwischen schwarzem und wagenfarbigem Dach. Außerdem kann man sich hier das Winterpaket mit Sitz- und Lenkradheizung & Co um 700 Euro dazukaufen.
Es wird entsprechende Fahrzeuge übrigens auch von anderen Stellantismarken geben. Zunächst wird noch im Juni der bis zu siebensitzige C3 Aircross vorgestellt.
Fahrzit
Auch als Benziner ist der Citroën C3 ein gutes Angebot, aber als Elektroauto ist er ein absoluter Preisbrecher. Klar sind gut 30.000 Euro für die Topausstattung samt Winterpaket viel Geld für ein kleines Auto, aber der ë-C3 ist in seinen Eigenschaften derart gelungen, dass ihn sich die Konkurrenz sehr genau anschauen wird. Und potentielle Kunden auch, z.B. auf einer Probefahrt, die ab Juli möglich sein soll. Schließlich ist er der Stromer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis – und ein Vorreiter für die Reihe versprochener leistbarer Batteriefahrzeuge. Bisher gibt es auf diesem Preisniveau nur den Dacia Spring – den können die Rumänen jetzt zum Dumpingpreis abstoßen. Vom Citroën ë-C3 wird er jedenfalls böse deklassiert.
Warum?
Sehr günstig, trotzdem auch sehr gut
Löst das Versprechen des Günstig-Stromers als Erster ein.
Wird ganz in der Nähe gebaut, gleich hinter Bratislava.
Warum nicht?
Für konsequente Stadtfahrer ist die Reichweite vielleicht sogar zu hoch.
Oder vielleicht ...
... auf nächstes Jahr warten und die kleinere Batterie nehmen.
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