Neben Diplomaten der Botschaft helfen auch Dutzende Jagdkommando-Soldaten bei der mühevollen Rückholung aus der Golfregion. Brigadier Arthur Bennett, der Kommandant der Spezialeinheit im „Krone“-Gespräch.
Als die „Krone“ am Mittwoch bei der Ankunft der ersten Österreicher aus der Golfregion dabei war, war neben Erleichterung auch Dank zu hören: „Der Konvoi zum Flughafen war höchst professionell organisiert, an der Grenze zum Oman wurde alles von den Jagdkommando-Soldaten geregelt, die uns begleitet haben“, sagt etwa der Burgenländer Hans-Jörg Steffl im krone.tv-Interview. Wie genau die Soldaten der Spezialeinheit den gestrandeten Österreichern geholfen haben, erklärt ihr Kommandant, Brigadier Arthur Bennett.
„Krone“: Herr Brigadier, das Jagdkommando hilft aktuell bei der Rückholung der gestrandeten Österreicher. Wie stellt sich die Situation für Ihre Männer dar?
Arthur Bennett: Unser großer Vorteil war, dass wir im Gegensatz zu anderen Nationen bereits kurz vor der ersten Angriffswelle und somit vor der Schließung des Luftraums in die betroffenen Länder geflogen sind und damit sofort vor Ort waren. Die ersten Tage waren allerdings für die Behörden vor Ort recht hektisch, seit Mittwoch läuft es besser. Im Oman etwa rennt das meiste wieder in geordneten Bahnen.
Ihre Männer sind aktuell in klassischen Urlaubsländern eingesetzt, deren Botschaften bislang kaum mit Konflikten zu tun hatten. Wie sieht Ihre Hilfe aus?
Wir unterstützen die Botschaften vor Ort in allen Sicherheitsfragen. Oder ganz praktisch gesprochen: Wenn sich Konvois mit Urlaubern 20 Stunden lang durch die Wüste zum nächsten Flughafen schlagen müssen, ist es von Vorteil, wenn ein Auslands-erfahrener Jagdkommando-Soldat dabei ist, der das Ganze führen kann, der medizinische Unterstützung leisten kann und der in der Region auch schon mal durch einen Checkpoint musste. Unsere Soldaten werden dementsprechend ausgewählt und ausgebildet und finden sich in Krisenszenarien für gewöhnlich sehr rasch zurecht.
Was, wenn sich die Sicherheitslage zuspitzt?
Momentan ist es keine militärische Evakuierungsoperation, es spielt sich noch alles auf der zivilen Ebene ab. Die Botschaft koordiniert die Ausreise, mietet Busse an, informiert die Reisenden. Erste Flugzeuge aus Maskat und Riad sind ja auch schon gelandet. Wir beurteilen währenddessen laufend die Sicherheitslage, erkunden Konvoirouten und begleiten und betreuen die Reisenden, wenn möglich, bis ganz zurück nach Wien. Derzeit ist es also noch eine Rückholung. Spitzt sich die Lage zu wie etwa damals in Kabul, wonach es derzeit nicht aussieht, dann würde man auf militärischer Ebene mit den betroffenen Ländern kommunizieren und ganz anders agieren.
Würde man dann eigene, militärische Transportflugzeuge brauchen?
Bei einer militärischen Evakuierung von ungesicherten Flugfeldern schon, aber das ist bei weitem nicht die Situation, die derzeit in der Golfregion herrscht. Wir sind bei einer „Rückholung“, einer assistierten Ausreise. Da ist der Einsatz von zivilen Flugzeugen, die pro Flug deutlich mehr Passagiere transportieren können, bei weitem sinnvoller. Die aktuelle Diskussion über die in Wartung befindlichen Hercules geht am Ziel vorbei. Davon hat niemand etwas und es erzeugt nur Unsicherheit bei den gestrandeten Urlaubern oder bei den Lesern in der Heimat.
Mit wie vielen ausreisewilligen Österreichern rechnen Sie insgesamt?
Mit 3000, von denen ein paar Hundert bereits die Region verlassen konnten. Die restlichen rund 15.000 sind keine Urlauber, die werden wohl bleiben wollen. Auch gestern haben wir wieder Flüge mit mehreren hundert Österreichern zurück nach Wien begleitet. Dann sind wir in Schwechat wieder in die Maschinen gestiegen und zurück in die Krisenregion geflogen.
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