Am Freitag werden die XIV. Paralympischen Winterspiele MILANO CORTINA 2026 in Verona eröffnet. Nach mehreren Gesprächen entschied sich das Österreichische Paralympische Committee (ÖPC) dazu, sich dem Boykott mehrerer Nationen anzuschließen und keine Athleten und Team-Mitglieder zur Opening Ceremony zu schicken.
Fakt ist: Nach der Wiederaufnahme bei der IPC-Generalversammlung im Herbst dürfen sechs russische und vier weißrussische Aktive in Italien trotz des anhaltenden Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine in ihren Landesfarben samt Flagge und Hymne auftreten. Das gefällt vielen Nationen nicht. Die Politik ist vor den Paralympics gerade viel größer als der Sport.
Mittwoch hatte es in diesem Zusammenhang von ÖPC-Präsidentin Maria Rauch-Kallat noch geheißen: „Wir wollen unsere Athleten und Athletinnen nicht in die Außenpolitik hineinziehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Boykotts dem Sport nicht dienen.“ Nach vielen Gesprächen kam dann aber Donnerstag Abend die Kehrtwende.
Zeichen für die Ukraine
„Wir hoffen sehr, damit ein sichtbares Zeichen für die Ukraine zu setzen. Bei der IPC-Generalversammlung haben wir gegen die Wiederaufnahme der russischen und weißrussischen Committees gestimmt, mussten die demokratische Entscheidung aber mittragen. Nach mehreren Diskussionen hat sich gezeigt, dass ein Boykott der Eröffnungsfeier in diesem Fall ein deutliches Signal für die Solidarität mit der Ukraine sein kann“, erklärte Maria Rauch-Kallat.
Mit Para-Skifahrer Michael Scharnagl und Para-Snowboarder Markus Schmidhofer wären aber sowieso nur zwei österreichische Athleten sowie zwei Funktionäre (Patrick Mayrhofer, Chef de Mission, und Teammanagerin Larissa Mayrhofer) zur Eröffnungsfeier gereist.
Aktuell kommen 14 Nationen nicht zur Eröffnungsfeier. Aber nicht alle sprechen offiziell von Boykott. Einige Nationen schieben auch die weiten Wege nach Verona und die unnötige Belastung der Athleten vor den Wettkämpfen als Grund vor.
Ein Volunteer wird nach wie vor die österreichische Fahne in die Arena di Verona tragen. Das bereits aufgezeichnete „Pre-Recording“ des Paralympic Team Austria mit dem „Fahnen-Duo“ Veronika Aigner und Markus Salcher wird bei der Eröffnungsfeier im TV zu sehen sein. Daher ist es kein 100-prozentiger Boykott.
TV-Chaos bahnt sich an
Die Fernsehübertragung am Freitag könnte international chaotisch werden. Mehrere TV-Sender in Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Polen haben angekündigt, die Eröffnungsfeier nicht zu übertragen oder ihre Berichterstattung zu unterbrechen, sobald russische oder belarussische Athleten im Bild erscheinen.
Der polnische Fernsehsender Telewizja Polska (TVP) geht noch weiter und plant, während der gesamten Spiele die Übertragungen zu unterbrechen, sobald Athleten aus Russland oder Belarus zu sehen sind. Diese drastischen Maßnahmen sind eine beispiellose Reaktion auf die IPC-Entscheidung und sollen ein Zeichen des Protests setzen. Es ist zu vermuten, dass diese Problematik die ganzen Spiele anhalten und auch überschatten wird.
Maria Rauch-Kallat meint trotzdem: „Wir hoffen, dass damit auch die Diskussion um diese Frage beendet ist und sich in den nächsten zehn Tagen die gesamte Aufmerksamkeit auf den Sport und den fairen Wettkampf konzentriert.“
Wieder wurde olympischer Frieden gebrochen
Das wird schwierig. Denn es gibt ja auch noch den Krieg im Iran, der zum dritten Mal in zwölf Jahren den olympischen Frieden, der eigentlich bis nach den Paralympics gilt, konterkariert. Während der Olympischen Spiele halten sich die Mächtigen der Welt an den Frieden, aber vor den Paralympics wird dann alles vergessen. 2014 ließ Wladimir Putin vor den Spielen der Behindertensportler in Sotschi die Krim annektieren, vor den Paralympics 2022 in Peking begannen Putins Truppen den Angriffskrieg auf die Ukraine. Und jetzt attackierten Israel und die USA den Iran.
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