Bei Tagung in Katar

Syrische Opposition wählt Christen zu ihrem Vorsitzenden

Ausland
10.11.2012 10:55
Der oppositionelle Syrische Nationalrat hat bei seiner Tagung im Golfemirat Katar den Christen George Sabra (Bild) zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Sabra sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag, dass jetzt alle Teile der syrischen Gesellschaft unter Einschluss der Stämme vertreten seien. Er hoffe auf freie Wahlen in Syrien, sagte Sabra. Unterdessen flüchten weiterhin Zehntausende Syrer vor dem blutigen Konflikt.

Am Freitag hatten die Delegierten in Doha ein elfköpfiges Exekutivkomitee und ein 41 Mitglieder starkes Sekretariat gewählt. Sabra, der dritte Vorsitzende des Syrischen Nationalrats, tritt die Nachfolge des Kurden Abdel Baset Seida an. Der Nationalrat war im Herbst 2011 in Istanbul als Zusammenschluss verschiedener Oppositionsgruppen gegründet worden.

Bereits 408.000 Syrer ins Ausland geflohen
Die Eskalation des Bürgerkrieges in Syrien treibt immer mehr Flüchtlinge ins Ausland. Allein seit Donnerstag verließen nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR rund 11.000 Menschen das Land. Die meisten von ihnen flohen in die Türkei, wo binnen 24 Stunden laut UNHCR bis zu 9.000 Menschen eintrafen. Ankara nannte etwas niedrigere Zahlen: "Es sind 6.500 bis 8.000 Menschen gekommen. Einen genauen Überblick über die Zahl gibt es noch nicht", sagte am Freitag ein türkischer Diplomat der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu kamen mit den Zivilisten auch 26 Offiziere über die Grenze.

Die Gesamtzahl der ins Ausland geflohenen Syrer stieg dem UNHCR zufolge inzwischen auf 408.000. Insgesamt werde die Zahl der Syrer, die auf internationale Hilfe angewiesenen sind, bis Jahresende wahrscheinlich von derzeit 2,5 Millionen auf vier Millionen anwachsen, sagte der zuständige Direktor der UN-Nothilfekoordinierung, John Ging, in Genf.

UNHCR-Sprecherin Sybella Wilkes beklagte, von geschätzten 488 Millionen Dollar (375 Mio. Euro), die 52 Organisationen bis Jahresende für humanitäre Hilfe in Syrien erbeten hätten, seien bislang nur 35 Prozent von Geberstaaten bereitgestellt worden. "Das ist angesichts des näher rückenden Winters ganz schlimm."

Jeden Tag Dutzende Tote in Syrien
Dem Bürgerkrieg in Syrien fielen am Freitag nach Angaben von Regimegegnern mindestens 108 Menschen zum Opfer. Die meisten Toten soll es in der Provinz Deir as-Saur gegeben haben. Am Samstag explodierten in der Stadt Daraa zwei Autobomben hinter einem Offiziersclub. Mindestens 20 Soldaten der syrischen Armee kamen dabei ums Leben. Die Opposition beziffert die Zahl der Toten des Aufstands gegen das Regime von Präsident Bashar Al-Assad seit dessen Beginn im März 2011 auf mehr als 37.000.

Assad: "Kein Bürgerkrieg, sondern Terrorismus"
Assad bestritt in einem Interview mit dem arabischsprachigen russischen Fernsehsender Rusija al-Jaum, dass es in seinem Land einen Bürgerkrieg gebe. "Es handelt sich um Terrorismus und die Unterstützung von Terroristen aus dem Ausland, um Syrien zu destabilisieren", sagte er (siehe auch Infobox).

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