Zwei Stierhälften, ein Torero und eine Liebestodkranke: Die spanische Performerin Angélica Liddell erzeugt bildgewaltige performative Sequenzen, die allerdings eher verrätselt bleiben.
Den Hang zur Gewalttätigkeit wird der neuen Festwochen-Direktion niemand absprechen. Schon zur Eröffnung hat man uns mit Ermordung bedroht, die Tat wurde dann an Mozarts „Titus“ ausgeführt. Auch die von Kirill Serebrennikow bemühten Barockarien und der Roman „Blutbuch“ haben die Arena grausam zugerichtet verlassen. Und jetzt thematisiert die spanische Performerin Angélica Liddell mit dem Zweistunden-Solo „Liebestod“ im weiten Sinn den Stierkampf. Also ein barbarisches, verwerfliches Ritual, dem die hier gepflogene Mystifizierung und Glorifizierung nicht zusteht.
Der Grundton des Abends ist allerdings überraschend ein anderer: nämlich Larmoyanz aus mindestens zwei Rohren. Einerseits bejammert die Protagonistin das eigene Verblühen unter dem Zugriff des unsensiblen Publikums. Und andererseits beruft sie sich auf ein Interview mit dem Stierkämpfer Juan Belmote, der über Identitätskrisen lamentiert, die den von ihm massakrierten Stieren freilich nicht mehr vergönnt sind.
Die Schauspielerin zeigt dabei starke performative Sequenzen und beeindruckende Bilder, hergestellt unter anderem mit Hilfe zweier Stierhälften, einer Menge Weihrauchs und einer Ritz-Aktion, die eine Besucherin kollabieren ließ.
Ferner im Angebot: neun Katzen, vier Säuglinge und Textpassagen Emil Ciorans. Alles von dichter Symbolik, doch dem Religionsschwulst oft näher als einer erkennbaren Aussage.
Bis uns die Lektüre des Programmheftes dann noch an die letzten Dinge bringt: „Bei der deutschen Übertitelung“, erfahren wir entsetzt, werde „auf Grund hoher Lesegeschwindigkeit auf das Gendern verzichtet“. Man bitte um Verständnis.
Just dies verflüchtigt sich aber gerade.
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