Di, 16. Oktober 2018

Fleischbe(sc)hau

15.10.2012 13:31

Ein Prügelspiel wie ein Softporno: "Dead or Alive 5"

Erschöpft und nach Luft ringend liegt sie auf dem Boden, der Hintern noch ganz wund geschlagen. Schweiß rinnt ihr den Hals entlang auf die Brust, die sich unter ihrem schnellen Atem hebt und senkt. Was nach wolllüsterner S&M-Prosa à la "Fifty Shades of Grey" klingt, ist in Wahrheit das Ende eines Kampfes mit den heißblütigen Mädchen in Tecmo Koeis Fleischbe(sc)hau "Dead or Alive 5".

Zugegeben: Das Frauenbild der bereits 1996 aus der Taufe gehobenen japanischen Prügelserie war schon immer etwas rückständig. Dass die weitgehend von Textilien befreiten Damen sich trotz grober Reduktion auf ihre sekundären Geschlechtsmerkmale auch gegen Männer zu behaupten wissen, mag den Entwicklern zwar den einen oder anderen Emanzipations-Punkt einbringen, aber sind wir doch einmal ehrlich, liebe Männer: Es geht um Titten und Ärsche.

Beide werden auch in "Dead or Alive 5" wieder gekonnt kokett in Szene gesetzt und von der virtuellen Kamera aus den spannendsten Blickwinkeln eingefangen. Das Auge spielt schließlich mit. Wem das nicht genügt, der kann seine Lieblingskämpferinnen jederzeit zu Schauzwecken in den Ring steigen lassen und eigenhändig Screenshots anfertigen, die dann in einem "Fotoalbum" für spätere Zwecke abgespeichert werden.

Sollte man sich wider Erwarten doch irgendwann daran satt gesehen haben, darf man freilich auch selbst Hand anlegen – an den Controller, versteht sich. Herzstück des Spiels ist die "Geschichte", in der die einzelnen Kämpfe durch eine ebensolche miteinander verbunden sind. Will man den Spieler zumindest glauben machen. So ganz nachvollziehen lassen sich die ständigen Wechsel von Schauplätzen und Charakteren in Wirklichkeit aber nicht.

Letzten Endes ist es aber auch vollkommen wurscht. Denn am Ende eines jeden von vielen sinnentleerten Dialogen steht eine Prügelei – unabhängig davon, ob man sich nur wenige Augenblicke vorher noch höflich miteinander unterhalten hat oder nicht. "Du solltest dich entschuldigen", verlangt eine aufgebrachte Amazone von ihrer Kontrahentin, ohne ihr jedoch auch nur den Hauch einer Gelegenheit dazu geben. Am Ende reicht man sich aber doch wieder die Hand. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich eben.

Sehr gut gelöst ist in dieser Art Karriere-Modus jedoch, wie die einzelnen Charaktere mitsamt ihren kämpferischen Gepflogenheiten dem Spieler nähergebracht werden. Einsteiger werden so mit den wichtigsten Informationen zu Tritten, Schlägen, Kontern, Wurfgriffen und dem Blocken versorgt. Dass sich viele der optional vorgegebenen Bonusziele in der Hitze des Gefechts nicht hinreichend erproben lassen, steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. Wer sein Wissen über die Kampfkünste vertiefen möchte, sollte also besser den virtuellen Trainingsbereich des Spiels aufsuchen.

Die Kämpfe selbst begeistern vor allem durch ihr Tempo – sowohl in optischer als auch spielerischer Hinsicht. Denn das schnelle Wechselspiel zwischen Angriff und Konter oder dem Ausweichen und Blocken von gegnerischen Schlägen erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Daumen-Geschick. Wenn die Fäuste erst einmal fliegen und sämtliche Bewegungen fließend ineinander übergehen, hat "Dead or Alive 5" seine stärksten Momente – im Vorgänger spielte sich das vor fast sieben Jahren noch längst nicht so geschmeidig.

Schön anzusehen ist außerdem, wie sich die interaktiven Arenen im Laufe eines Kampfes verändern. Da gehen Geländer zu Bruch, Benzintanks explodieren oder Flugzeuge stürzen ab. Und natürlich kann auch diesmal der Kampfschauplatz erweitert werden, indem man seinen Gegner etwa über einen Abgrund oder die Stiege hinunter prügelt.

Beim Umfang scheinen die Entwickler allerdings gespart zu haben. Neben dem Story-Modus gibt es außer dem klassischen Versus-Game, das auf Wunsch auch zu zweit in einer Tag-Team-Variante bestritten werden kann (on- wie offline), dem Kampf auf Zeit oder ums Überleben wenig zu tun. Bis auf ein paar Kostüme für die insgesamt 25 und teils erst freispielbaren Charaktere, darunter auch zwei Neuzugänge, gibt es zudem auch keine Sammel-Anreize. Auf einen Charakter-Editor muss ebenfalls verzichtet werden.

Technisch könnte ebenfalls manches besser gelöst sein: Störend fallen vor allem die langen Ladezeiten bei der Charakterauswahl auf. Zahlreiche Sekunden vergehen auf der PS3, ehe man die Spielfigur seiner Wahl oder das bevorzugte Kostüm an dieser zu Gesicht bekommt. Gleiches gilt für die Arenen. Und auch online muss man sich schließlich gedulden: Hier kommt es immer wieder zur störenden Verzögerungen im Kampf.

Fazit: "Dead or Alive 5" bietet neben reichlich nackter Haut und für Europäer unfreiwillig komisch anmutenden Dialogen ein im Vergleich zu seinem Vorgänger vor allem spürbar schnelleres Kampftempo. Die Steuerung reagiert dabei zu jeder Zeit präzise und ermöglicht dank stufenweiser Herangehensweise auch Einsteigern einen stressfreien Spielbeginn. Darüber hinaus gibt es aber wenig zu sehen und zu erleben, was man nicht schon an anderer Stelle ähnlich oder besser gelöst gesehen hätte - mit Ausnahme der nackten Haut vielleicht.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Tecmo Koei
krone.at-Wertung: 8/10

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