"Tot oder lebendig"

Offenbar Kopfgeld von 25 Mio. $ auf Assad ausgesetzt

Ausland
18.09.2012 11:21
Syrische Geschäftsleute haben offenbar ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf die Ergreifung von Machthaber Bashar al-Assad ausgesetzt. Das habe ein Offizier der Rebellentruppe "Freie Syrische Armee" (FSA), welche die Operationen der Rebellen in Syrien von der Türkei aus lenkt, mitgeteilt, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Dienstag. Demnach sagte FSA-Kommandant Ahmed Hicazi, man wolle den verhassten Despoten "tot oder lebendig".

Hicazi, ein Ex-Oberst der syrischen Armee, erklärte Anadolu, Ziel des Kopfgeldes sei es, Mitglieder der syrischen Führung um Assad dazu zu bringen, etwas gegen den Präsidenten zu unternehmen. Derjenige, der Assad "tot oder lebendig" der Opposition ausliefere, habe zwar mehr als 25 Millionen Dollar verdient - doch dies sei die Summe, die bisher zusammengetragen worden sei.

Das Geld komme von syrischen Geschäftsleuten innerhalb und außerhalb des Landes, die regelmäßig die FSA unterstützten. Die Geldgeber wollten aus Angst um ihr Leben nicht namentlich genannt werden. Die FSA-Führung selbst war am Dienstag für eine Stellungnahme zu dem Bericht nicht zu erreichen.

Brahimi setzt auf regionale Konfliktlösung
Am Dienstag traf der neue internationale Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi in der südtürkischen Grenzprovinz Hatay ein, wo er ein Lager für syrische Flüchtlinge besuchte. Auch mit den Kommandanten der FSA soll Brahimi nach Angaben von Aktivisten bereits ein Gespräch geführt haben. Demnach habe der Algerier über den Internet-Telefonieanbieter Skype eine Videokonferenz mit den Anführern der Deserteure in Syrien abgehalten. Brahimi habe dabei für einen Waffenstillstand geworben und erklärt, die syrische Führung sei bereit zum Dialog. Der FSA-Kommandeur in Aleppo, Oberst Abdel Jabar al-Akaidi habe jedoch erwidert: "Es gibt keinen Dialog mit Verbrechern."

Brahimi hatte in den vergangenen Tagen mit der syrischen Führung in Damaskus gesprochen und sich am Montag in Kairo mit Abgesandten einer Syrien-Kontaktgruppe getroffen, der Ägypten, Saudi-Arabien, der Iran und die Türkei angehören. Ein Mitglied seiner Delegation sagte in Kairo, Brahimi werde möglicherweise bald zu einem zweiten Gespräch mit Präsident Assad nach Syrien reisen. Der algerische Krisendiplomat und scharfe US-Kritiker (siehe Infobox) hatte den Posten des internationalen Syrien-Vermittlers vom ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan übernommen, der nach dem Scheitern seiner Friedensmission zurückgetreten war.

Außenministertreffen zu Syrien ohne Ergebnis
Ohne Ergebnis endete ein Außenministertreffen zu Syrien in Kairo, an dem der Iran, Ägypten und die Türkei teilnahmen. Saudi-Arabien war dem Treffen ferngeblieben, zu dem Ägyptens Präsident Mohammed Mursi eingeladen hatte. Auch Brahimi sprach mit den Ministern. Als Journalisten den iranischen Außenminister Ali-Akbar Salehi nach dem Treffen auf die Aktivitäten der Revolutionsgarden in Syrien ansprachen, gab er eine ausweichende Antwort.

Österreich beschloss Aufstockung der Flüchtlingshilfe
Die österreichische Regierung beschloss indessen die bereits angekündigte Aufstockung der Syrien-Hilfe von ursprünglich 250.000 Euro auf eine Million Euro. Das Geld kommt laut Außenminister Michael Spindelegger aus dem Hilfsfonds für Katastrophenfälle im Ausland und soll vor allem in Jordanien eingesetzt werden. Dorthin gebe es die größten Flüchtlingsströme und folglich auch den höchsten Finanzbedarf. Vom aufgestockten Betrag gehen laut Außenministerium 650.000 ans UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und 350.000 an österreichische NGO, die in der Region tätig sind.

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