Gepanschter Alkohol

Vergiftungsserie weitet sich auf die Slowakei aus

Ausland
17.09.2012 17:09
Nach der Serie von mindestens 20 Toten geht in Tschechien nach wie vor die Angst vor gepanschtem Alkohol um. Die Ansage von Gesundheitsminister Leos Heger ist klar: "Solange sich weiter Menschen mit dem Industriealkohol Methanol vergiften oder gar daran sterben, bleibt hochprozentiger Schnaps landesweit unter Verschluss." Dennoch erfasste die Vergiftungswelle mittlerweile auch die Slowakei.

In Tschechien herrscht seit dem Wochenende ein Verkaufsverbot für Getränke mit einem höheren Alkoholgehalt als 20 Prozent. Landesweit sind 20 Personen an den Folgen einer Alkoholvergiftung gestorben, mehr als 40 Menschen mussten in Krankenhäuser gebracht werden.

Die Gastronomieszene des Landes, wo besonders viele Besucher aus Deutschland und Österreich Urlaub machen, fürchtet dramatische Einnahmeeinbußen wegen der Todesserie. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Staatskasse bekommt die "Prohibition" zu spüren: Nach Prager Medienberichten entgehen dem Fiskus jeden Tag umgerechnet fast eine Million Euro an Einnahmen aus der Branntweinsteuer.

Suche nach Giftmischern bisher erfolglos
Weiterhin ist völlig unklar, in welche Geschäfte und Gasthäuser das Gift gelangen konnte. Die Polizei fahndet fieberhaft nach den Giftmischern, bisher aber erfolglos. "Das Verkaufsnetz ist auf eine Weise infiltriert, die kaum durchschaubar ist", sagte Gesundheitsminister Heger in Prag. "Die Epidemie ist nicht beendet", warnte der konservative Politiker, Arzt und Hochschullehrer. Eine Liste möglicherweise betroffener Spirituosen veröffentlichte das Gesundheitsministerium der Tschechischen Republik auf seiner Website.

Was mit den mittlerweile weggepackten Vorräten in Tschechien geschehen soll, weiß im Moment niemand. Rund 20 Millionen Flaschen harten Alkohols liegen laut dem Gesundheitsminister im ganzen Land auf Eis. Das sind mehr als zwei für jeden erwachsenen Einwohner Tschechiens.

Verkaufsverbot nicht unumstritten
Das generelle Verkaufsverbot für Hochprozentiges ist nicht unumstritten. Es wächst die Befürchtung, dass unerfahrene Amateure zu Hause Fusel-Schnaps brennen und sich auf diese Weise gefährden könnten. Alkoholiker könnten sogar zu Haushaltsreiniger greifen, hieß es. 

Der EU-Mitgliedsstaat liegt im Alkoholkonsum weltweit auf dem zweiten Platz hinter der Ex-Sowjetrepublik Moldau, wie aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation hervorgeht.

Fälle auch aus der Slowakei gemeldet
Unterdessen sind auch in der Slowakei erste Fälle von Vergiftungen mit gepanschtem Alkohol aus Tschechien bekannt geworden. Das berichtete der Nachrichtensender TA3 am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. 

Für eine private Geburtstagsfeier in der Gemeinde Kapusany habe demnach ein Slowake zehn Liter Schnaps per Internet aus Tschechien bestellt. Nach Hinweisen der tschechischen Polizei seien alle Besucher der Feier zur Untersuchung ins Krankenhaus beordert worden. Bei vier Personen seien dabei Vergiftungen festgestellt worden, die aber allesamt nicht lebensbedrohend seien.

Hochprozentiges unbekannter Herkunft meiden

Das österreichische Gesundheitsministerium reagierte auf die Meldungen aus den beiden Nachbarländern und riet der Bevölkerung, keinen hochprozentigen Alkohol unbekannter Herkunft zu konsumieren. Nach den Vorkommnissen in Tschechien sei das EU-Schnellwarnsystem aktiv geworden. Bei den regelmäßigen Kontrollen durch die Lebensmittelaufsicht seien in den vergangenen Jahren keine Produkte wegen überhöhter Methanolgehalte als gesundheitsschädlich beanstandet worden. Man beobachte die Situation "sehr engmaschig".

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