Auch in Spanien
Massenproteste in Portugal: “Zum Teufel mit Troika”
Teilnehmer einer drei Kilometer langen Marschkolonne bewarfen in Lissabon die Vertretung des Internationalen Währungsfonds mit Tomaten und Böllern. Bis nach Mitternacht protestierten viele vor dem Parlamentsgebäude. Die Polizei nahm in der Hauptstadt fünf Menschen fest. In Aveiro 200 Kilometer nördlich von Lissabon setzte sich ein Demonstrant in Brand. Er wurde dabei schwer verletzt.
Bevölkerung zeigte Regierung "rote Karte"
Die Demonstranten forderten den Rücktritt des Regierungschefs Pedro Passos Coelho. "Eine brutale rote Karte (für die Regierung)", titelte das Massenblatt "Correio da Manha". Die Zeitung "Público" schrieb am Sonntag, es habe sich wohl um die größte Demonstration seit dem Ende der Diktatur 1974 gehandelt. Die Menschen machten ihrem Ärger über jüngste Sparaktionen der Mitte-rechts-Regierung Luft. "Sie haben Basta gesagt!", so "Público".
Empörung hatte nach mehreren Sparpaketen vor allem die Ankündigung einer Erhöhung der Sozialversicherungsabgabe von elf auf 18 Prozent ausgelöst. Der Arbeitgeberbeitrag soll von 23,75 auf 18 Prozent gesenkt werden. Die stärkste Oppositionskraft, die Sozialistische Partei (PS), hatte erst am Donnerstag dem Sparprogramm deshalb ihre Unterstützung entzogen.
Zehntausende gingen in Madrid auf die Straße
In Spanien hatten die beiden größten Gewerkschaften UGT und CCOO zusammen mit 150 weiteren Organisationen zu einem Protest aufgerufen. Nach Schätzung der Veranstalter versammelten sich in Madrid 65.000 Menschen, viele davon reisten aus anderen Gegenden Spaniens per Bus an. An der Großdemonstration auf der zentralen Plaza de Colon beteiligten sich unter anderem Polizisten in blauen T-Shirts, Feuerwehrleute mit ihren roten Helmen, in Grün gekleidete Lehrer, Menschen aus Gesundheitsberufen in Weiß, Beamte in Schwarz, Alte und Pflegebedürftige in Orange sowie Eltern mit Kinderwagen.
Menschen mit Regierung "nicht einverstanden"
"Wir sagen der Regierung klipp und klar, dass wir nicht einverstanden sind, dass ihre Politik zu viel Schaden anrichtet, dass wir uns nicht fügen, weil es Alternativen gibt und weil es eine Lüge ist, zu sagen, es gebe keinen anderen Ausweg", sagte CCOO-Chef Ignacio Toxo bei der Kundgebung. Die von Mariano Rajoy geführte konservative Regierung will im Kampf gegen die Schuldenkrise des Landes bis Ende 2014 mit einem drastischen Kürzungsprogramm 102 Milliarden Euro einsparen. Ziel ist es, einen Antrag auf Hilfen der EU zu vermeiden - um international überwachte Sparvorschriften zu verhindern.
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