"Die oder wir!"

Griechen-Protest: Kaputte Melonen gegen Sparpaket

Ausland
09.09.2012 09:25
Tausende Griechen haben am Samstag in der Hafenstadt Thessaloniki und in Athen gegen die Sparmaßnahmen der Regierung und die Auflagen der Gläubiger-Troika protestiert. Vor der Halle der Internationalen Handelsmesse in Saloniki zerschlugen Landwirte ihre Melonen (Bilder 1-3), nachdem Regierungschef Antonis Samaras den radikalen Sparkurs des Landes verteidigt hatte. Im Zentrum der Hafenstadt kam es zu Ausschreitungen.

Über 12.000 Menschen waren am Samstag in Thessaloniki auf die Straße gegangen. Viele trugen Transparente mit der Losung: "Umsturz! Entweder die oder wir". Die Protestierer warfen der Regierung unter dem konservativen Samaras vor, den "Befehlen der Geldgeber-Troika zu gehorchen und das Land und seine Menschen in die Katastrophe zu führen". In Griechenland soll bald ein neues hartes Sparpaket in Kraft treten.

Es seien die größten Demonstrationen in den letzten Monaten gewesen, berichteten Reporter. Unter den Demonstranten war auch Oppositionsführer Alexis Tsipras, Chef des radikalen Linksbündnisses SYRIZA. Auch Polizisten und Feuerwehrleute nahmen an den Demonstrationen teil.

Die zunächst friedlichen Proteste wurden am Abend von Ausschreitungen im Stadtzentrum überschattet. Etwa tausend gewaltbereite Demonstranten griffen nahe der Universität die Polizei an, die Tränengas einsetzte. Vor den Hallen der Internationalen Handelsmesse kam es zu kurzen Rangeleien zwischen Anarchisten und der Polizei.

Samaras verteidigt Sparmaßnahmen: "Unfair, aber notwendig"
Zuvor hatte Samaras in Thessaloniki, wo er die Handelsmesse eröffnete, das jüngste Sparvorhaben verteidigt. Das Sparpaket enthalte schmerzhafte und "unfaire Kürzungen", sagte Samaras. Die Maßnahmen seien aber notwendig, um die Glaubwürdigkeit Griechenlands wiederherzustellen und weiterhin finanzielle Unterstützung durch die Gläubiger zu erhalten. "Alle unfairen Kürzungen" würden zurückgenommen, sobald die Wirtschaft wieder wachse, kündigte der Regierungschef an.

Die griechische Regierung ist derzeit dabei, ein neues Sparpaket über 11,5 Milliarden Euro für die Jahre 2013 und 2014 zu schnüren, in dem Kürzungen der Sozialausgaben und der Bezüge von Staatsbediensteten und Rentnern vorgesehen sind. Aus Protest gegen die neuen Sparmaßnahmen zerschlugen Landwirte vor den Hallen der Handelsmesse Melonen.

Troika setzt ihre Arbeit fort
Die Spitzen der Gläubiger-Troika aus Europäischer Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union setzen derzeit ihre Arbeit in Griechenland fort. Seit Freitag prüfen sie in Athen erneut die Finanzen des schon mehrfach vor der Pleite bewahrten Landes.

Der Bericht der internationalen Prüfer ist die Grundlage für eine Entscheidung über weitere Hilfsgelder. Sollten die Experten zu einem negativen Ergebnis kommen, drohen die Gläubiger mit der Einstellung der Zahlungen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
09.09.2012 09:25
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung