Acht Jahre nach Tod

Ermittlungen in Paris: Arafat mit Polonium vergiftet?

Ausland
28.08.2012 19:06
Acht Jahre nach dem Tod von Palästinenserpräsident Yasser Arafat hat die französische Justiz Ermittlungen wegen Mordverdachts eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre bei Paris reagierte damit am Dienstag auf eine Ende Juli eingereichte Anzeige von Arafats Witwe Suha gegen Unbekannt. Suha Arafat vermutet, dass ihr Mann mit Polonium vergiftet wurde.

Arafat war im Herbst 2004 in seinem Hauptquartier in Ramallah im Westjordanland erkrankt. Da sich sein Zustand schnell verschlechterte, wurde er in ein Militärkrankenhaus im Süden von Paris gebracht, wo er am 11. November 2004 im Alter von 75 Jahren starb. Die genaue Ursache seines Todes ist bis heute unklar. Die Palästinenser verdächtigen Israel, Arafat ermordet zu haben.

Nun werden mehrere Untersuchungsrichter, die in Kürze ernannt werden sollen, auf Antrag der Staatsanwaltschaft in dem Fall ermitteln, wie die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen erfuhr. Die palästinensische Autonomiebehörde begrüßte am Dienstag die neusten Ermittlungen. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas habe Frankreichs Präsidenten Francois Hollande darum gebeten, den Palästinensern dabei zu helfen, die Umstände von Arafats Tod aufzuklären, sagte Chefunterhändler Saeb Erakat in Ramallah.

Polonium-Vergiftung?
Anfang Juli berichtete der arabische Fernsehsender Al Jazeera unter Berufung auf einen Schweizer Experten, Proben aus den persönlichen Sachen Arafats, die nach seinem Tod an seine Witwe übergeben worden waren, hätten eine erhebliche Konzentration des radioaktiven und hochgiftigen Stoffs Polonium aufgewiesen. Polonium war 2006 verwendet worden, um den früheren russischen Spion Alexander Litwinenko in London zu ermorden.

Als Reaktion auf den Medienbericht stimmte Suha Arafat einer Untersuchung des Leichnams ihres verstorbenen Mannes zu. Ende Juli erstattete sie dann gemeinsam mit ihrer Tochter in Nanterre Anzeige gegen Unbekannt. Vergangenen Freitag gab das Schweizer Institut für Radiophysik am Universitätsklinikum von Lausanne bekannt, Experten der Klinik würden ins Westjordanland reisen, um Arafats dort bestatteten Leichnam zu obduzieren und nach Anzeichen für eine mögliche Polonium-Vergiftung zu suchen.

Experten skeptisch
Israelische und europäische Experten äußerten sich skeptisch zu der geplanten Untersuchung. Das in Frage stehende Polonium-210 habe eine Halbwertszeit von lediglich 138,38 Tagen. Acht Jahre nach dem Tode Arafats wären - "wenn überhaupt - nur noch wenige Millionstel einer ursprünglich verabreichten Menge nachweisbar", so der Tenor der Experten.

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