Unternehmerin warnt

Nachfolgeproblem: „Es ist schon zwei nach 12“

Oberösterreich
05.04.2024 11:20

„Die österreichische Wirtschaft wird ausverkauft“, warnt Gerti Schatzdorfer-Wölfel. Die Unternehmerin aus Zipf (Oberösterreich) über die schwierige Suche nach Nachfolgern bei Familienunternehmen, die Konsequenzen und Imageprobleme, die durch Mega-Insolvenzen wie bei Signa nicht besser werden.

„Die Herausforderung in einem Familienunternehmen ist, dass alles der Firma untergeordnet wird: das ganze Leben, die Kinder“, sagt Gerti Schatzdorfer-Wölfel. Seit 1999 ist die heute 63-Jährige Alleineigentümerin von Schatzdorfer Gerätebau in Zipf.

Die Übergabe an die nächste Generation ist eingeleitet, immer mehr Verantwortung wandert in die Hände von Tochter Marlene. Nicht selbstverständlich, wie sie im Gespräch verriet. Schatzdorfer-Wölfel über...

  • Die ungewisse Zukunft von Familienunternehmen: „Auf die Klein- und Mittelbetriebe schaut man in dem Land viel zu wenig. Jetzt sind ganz viele Firmen in der Übergabe. Sind die Zeiten sehr volatil wie jetzt und folgt eine Krise nach der anderen, dann hast du viele schlaflose Nächte. Viele aus der älteren Generation sagen sich: ,Ich tu’ das meinen Kindern nicht an.‘ Auf der anderen Seite sagen die Jungen: ,Ich tu’ mir das selbst nicht an.‘“
Bei Schatzdorfer Gerätebau in Zipf sind aktuell knapp 90 Mitarbeiter beschäftigt.
Bei Schatzdorfer Gerätebau in Zipf sind aktuell knapp 90 Mitarbeiter beschäftigt.(Bild: Markus Wenzel)
  • Die Folgen der schwierigen Nachfolgesituation: „Ich kenne einige Unternehmen, die schon verkauft worden sind oder wo man gerade dabei ist, sie zu verkaufen. Da kaufen aber nicht Europäer, sondern Asiaten oder Amerikaner. Da wird einfach die österreichische Wirtschaft ausverkauft. Das trifft die ganze Bevölkerung, wenn unser Know-how in andere Hände kommt. Da ist es schon zwei nach 12.“
  • Gegenmaßnahmen: „Die Politik müsste jetzt erkennen, dass die Nachfolger eine Würdigung brauchen. Wir reden von den Krankenschwestern, die so viel leisten, von den Verkäuferinnen, die Unmögliches tun, von den Pflegern – das ist alles okay. In der Corona-Krise hat keiner gesagt: Schön, dass ihr weitergearbeitet habt. Wenn wir aufgehört hätten, hätten wir Tausende Arbeitsplätze abgestellt, weil wir zuliefern. Man muss erkennen, welche Herausforderung es mit sich bringt, die Firmen weiterzuführen.“
  • Das schlechte Image, mit dem Unternehmer immer wieder zu kämpfen haben: „Mit solchen Sachen wie René Benko wird das ganze Unternehmertum in einen Topf geworfen, dabei sind wir davon meilenweit entfernt. Wenn ich jetzt mein Unternehmen anschaue – und da spreche ich für Tausende Familienbetriebe – da wird über Generationen alles, was sie haben, auch wieder in die Firma hineingesteckt. Wir haben umgerechnet jedes Jahr rund eine Million Euro investiert. Ich sichere damit, dass ich wettbewerbsfähig bleibe und damit auch Arbeitsplätze.“
  • Mangel an Motivation bei den Arbeitnehmern: „Ich erlebe das oft ganz anders. Es gibt viele engagierte Leute, Junge, die extrem leistungsbereit sind und trotzdem aufs Leben nicht vergessen. Es geht darum, dass man das sinnstiftend machen kann.“
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