Peinliche Panne
Polizist “leakt” Plan zur Verhaftung von Julian Assange
Auffliegen ließ den Plan ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP. Der Mann bewies ein scharfes Auge, zoomte mit seiner Kamera vor dem ecuadorianischen Botschaftsgebäude auf den Polizisten, der ein Klemmbrett mit Notizen unter dem Arm hielt (Bild rechts), und drückte mehrmals auf den Auslöser. Wie die Bilder dokumentieren, steht auf dem Zettel unter dem Vermerk "geheim" in Handschrift geschrieben, dass Assange auf jeden Fall zu verhaften sei.
Assange als "Diplomatengepäck"
Auf dem Dokument werden auch mehrere Varianten genannt, wie Assange versuchen könnte, unbemerkt aus der Botschaft zu entkommen - etwa in einem Fahrzeug der Botschaft oder als "Diplomatengepäck", berichtete die Zeitung "The Telegraph". Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, die Ecuadorianer könnten versuchen den 41-Jährigen in einem Paket aus dem Botschaftsgebäude rauszuschmuggeln. Außerdem wird vor einem möglichen Ablenkungsmanöver gewarnt. Demnach dürfte die Polizei davon ausgehen, Unterstützer des WikiLeaks-Gründers könnten vor der Botschaft einen Tumult vortäuschen, um eine Flucht zu ermöglichen.
Dem Zeitungsbericht zufolge finden sich auf dem Geheimpapier auch Anmerkungen zum "Tagesgeschäft" der Botschaft Ecuadors und der Notwendigkeit von "zusätzlicher Unterstützung" durch eine unbekannte Einheit namens SS10. Was hinter dem Kürzel steckt, blieb bislang jedoch im Dunkeln. Auch Scotland Yard konnte auf Anfrage des "Telegraph" nicht zur Aufklärung beitragen.
Scotland Yard bestätigt Echtheit der Pläne
Ein Sprecher von Scotland Yard bestätigte, dass es sich bei dem Dokument um "die Mitschrift eines Polizisten aus einer Besprechung" handle. "Unser Ziel ist es, Assange wegen der Verletzung seiner Kautionsauflagen festzunehmen", sagte er. "Unter keinen Umständen" solle dabei aber gegen diplomatische Regeln verstoßen werden.
Für die Londoner Polizei ist die Foto-Panne jedenfalls äußerst peinlich. Der Fall erinnert an einen ähnlichen Patzer aus dem Jahr 2009. Damals musste der Anti-Terror-Chef Großbritanniens, Bob Quick, zurücktreten, nachdem er sich beim Aussteigen aus einem Dienstwagen versehntlich mit einem gut sichtbaren geheimen Anti-Terror-Dossier ablichten hatte lassen. Eine in dem Dossier besprochene geplante Razzia hatte damals sogar zeitlich vorverlegt werden müssen.
Briten signalisieren Bereitschaft zu Dialog-Lösung
Die Regierungen von Ecuador und Großbritannien haben im Streit um Assange indessen versöhnliche Töne angeschlagen. Die Andenrepublik kündigte am Freitag die Wiederaufnahme des diplomatischen Dialogs mit den Briten an. London habe nach Angaben des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa eingelenkt und zugesichert, die Immunität seiner Botschaft in London nicht zu verletzen.
Correa erklärte in einer Fernsehansprache am Freitag, eine am selben Tag erhaltene formelle Note Großbritanniens sichere zu, dass London die Wiener Konvention über die Unantastbarkeit der diplomatischen Vertretungen respektiere. Der britische Beobachter bei der Organisation amerikanischer Staaten (OAS), Philip Barton, hatte zuvor bei einer Dringlichkeitssitzung der Organisation versichert, Großbritannien habe die ecuadorianische Botschaft "zu keinem Zeitpunkt bedroht". Zugleich rief er die ecuadorianische Regierung zu einem "konstruktiven Dialog" auf. Die Zusicherung der Briten stelle einen willkommenen Startpunkt für neue Gespräche mit London und Stockholm dar, um eine Lösung im Fall Assange zu finden, erklärte Ecuadors Staatschef Correa daraufin in seiner TV-Ansprache.
Schweden lehnt Vernehmung in London ab
Assange hält sich seit mehr als zwei Monaten in der Botschaft Ecuadors in London auf. Das sümamerikanische Land gewährte dem Australier, der seiner Auslieferung an Schweden entgehen will, am 16. August Asyl. Der 41-Jährige wird von der schwedischen Justiz wegen mutmaßlicher Sexualdelikte per EU-weitem Haftbefehl gesucht. Eine Vernehmung Assanges in Ecuadors Londoner Botschaft lehnt die schwedische Seite ab. Ebenso lehnt die britische Seite es ab, Assange freies Geleit nach Ecuador zu gewähren. Vielmehr will sie ihn beim Verlassen der Botschaft sofort festnehmen und an Schweden ausliefern.
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