Die Geschichte des irren Tschechen mit dem Faible für Gebisse toter Starkomponisten beinhaltet gleich zwei Komponenten, die niemand glauben möchte: Die eine ist der pathologische Wahnsinn, mit dem O. J. bei seinen Grabraubzügen vorgeht. Denn für sein bizarres Zahnmuseum holte er sich die Prothesen von Walzerkönig Johann Strauß jr. sowie Johannes Brahms und stellte Fotos davon stolz auf seine Homepage. "Dieses Vorhaben ist wohltätig und edel", schrieb er in einem wahren Grusel-Manifest. "Ich wollte nicht, dass die Zähne der Komponisten in die falschen Hände geraten."
Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt
Das zweite Unglaubliche an der Causa ist die traurige Tatsache, wie ein Land wie Österreich mit seinen toten Wunderkindern umgeht. Jahrelang wurde die Schändung der Musikgenies vor der Welt verheimlicht. Die Details: 2008 wurde gegen O. J. wegen "Störung der Totenruhe" ermittelt, die Sache aber wegen Verjährung eingestellt. Ein Sprecher der Friedhöfe Wien: "Es gab vor Jahren eine Graböffnung." Deren Ergebnis aber niemals publik wurde – man schwieg wie ein Grab.
Kulturministerium nur für Lebende zuständig
Auch heute, nach dem Bekanntwerden der Leichen-Schändung, hält sich das Interesse der Behörden in Grenzen. Die "Krone" fragte beim Kulturministerium nach. Doch weil dessen Mitarbeiter sich nur um lebende Künstler kümmern, wurde der Fall dem Bundesdenkmalamt zugeschoben. Dort hieß es: "Bei zerstörten Grabmonumenten wären wir zuständig. Das fällt nicht in unsere Kompetenz." O. J. selbst erklärt, er habe österreichischen Behörden und dem Ministerium geschrieben. Ohne Antworten.
Strauß und Brahms würden sich im Grabe umdrehen. Vor allem bei diesem Kommentar des Kiefer-Räubers: "Als ich deren Särge im Jahr 2002 öffnete, bemerkte ich, dass die Gräber schon vor mir geplündert wurden."
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