Einzigartige Tradition

Pumaträger: ein Brauchtum aus Licht und Farben

Vorarlberg
17.02.2024 11:45

In der Vorarlberger Gemeinde Bürs hat sich eine ganz besondere Funkentradition erhalten. Dort begleiten nämlich die sogenannten „Pumaträger“ den Zug zum Funkenplatz. Die „Krone“ hat hinter die Kulissen geblickt. 

In jeder Gemeinde Vorarlbergs wird am ersten Fastensonntag das Funkenfeuer entzündet, es bedeutet den endgültigen Ausklang der alten Fasnacht und soll zugleich die Wintergeister vertreiben. So viele Funkenzünfte es gibt, so viele kleine Unterschiede gibt es auch das Zeremoniell betreffend. Ein einzigartiges Brauchtum hat sich in Bürs erhalten, wo die sogenannten „Puma“ den Umzug zum Funkenplatz begleiten.

Puma leitet sich von Pumerantscha ab 
Doch was hat es mit diesen Laternen auf sich? „Man wollte mit ihnen das Funkenabbrennen festlicher gestaltet“, erklärt Ronald Rettenberger. Der 70-Jährige ist mit der Tradition groß geworden und kümmert sich seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Mitgliedern des „Bürscher Fasnatvereins“ um die historischen Lampions. Der Name „Puma“ leite sich von „Pumerantscha“, dem Dialektwort für Orange, ab, führt Rettenberger aus und fügt hinzu, dass der Plural des Wortes ohne zusätzliches „s“ auskomme.

Die ursprünglichen Lampions sind aus wiederverwerteten Blechkörben, in welche die Baumwolle für die Textilfabriken in der Umgebung gepackt war, gefertigt und sind daher rund. Über das Gestell wurden bunte Papierstreifen gespannt, die von innen mit einer Kerze erleuchtet werden. „Wahrscheinlich war es die Ähnlichkeit mit geschälten Pumerantscha, weshalb sich der Begriff Puma schließlich durchsetzte“, meint Rettenberger.

Seit knapp 200 Jahren - mit Unterbrechungen während Kriegszeiten - kommen die kunstvollen Leuchtwerke nun schon zum Einsatz. Zu den runden Puma haben sich später die „Kübile“ gesellt, die in ihrer rechteckigen Form einem Kübel ähneln und meist von Kindern getragen werden.

Eine Kastenpuma aus dem Jahr 1892 
Die aufwendigsten und schwersten Laternen sind die Kastenpuma. „Die Älteste davon ist Genoveva. Das Motiv stammt aus dem Jahr 1892“, berichtet der Puma-Meister. Der glückliche Dachbodenfund ist Günter Rettenberger geglückt, der Genoveva völlig verstaubt und zerfleddert in einem Schlupf entdeckte. Insgesamt gibt es 47 verschiedene Puma, die schwerste wiegt stolze 13 Kilogramm.

Jeweils am Aschermittwoch werden die Laternen aus dem Lager geholt und genau inspiziert. Werden Schäden festgestellt, dann geht es ab in die Werkstatt, wo sie mit viel Herzblut und ruhiger Hand restauriert werden: Buntpapier wird erneuert, Risse werden geflickt, brüchiger Karton ausgetauscht. Bis zu achtzig Stunden können diese Arbeiten in Anspruch nehmen.

Jede Puma erzählt eine eigene Geschichte
Muss ein komplettes Motiv erneuert werden, dann sei das eine „Sommerarbeit“, sagt Rettenberger - in ein paar Tagen wäre das nicht zu schaffen, zu aufwändig sind die Motive. Die Palette reicht von der „Bürscher Krott“ über Sagenmotive bis hin zu Sprüchen oder Symbolen, die sich dem Thema der heimlichen Liebe widmen. Durch Kerzenschein erleuchtet, erzählt jeder Lampion seine eigene Geschichte. „Das Kartonmesser ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge, damit muss man schon umgehen können, ansonsten gibt es blutende Finger“, sagt Ronald Rettenberger mit einem schelmischen Augenzwinkern. Klebekarton in der richtigen Stärke, schweres Buntpapier, Transparentpapier - das alles ist heutzutage gar nicht mehr so leicht zu bekommen und wird daher gleich bogenweise in der Werkstatt gehortet.

Noch vor dem Funkensonntag gibt es einen Puma-Nachmittag im Sozialzentrum, anschließend wird bei Glühmost und Funkaküachle ein Miniatur-Funken für die Bewohner entzündet. „Einige der Senioren waren früher selbst Pumaträger und erinnern sich gerne daran. Der Umzug zum Funkenplatz ist ihnen aber mittlerweile zu beschwerlich geworden. Daher kommen die Puma eben zu ihnen“, sagt Rettenberger.

Ein Zug aus leuchtend bunten Bildern
Am Sonntag ist es dann schließlich soweit: die Bürser versammeln sich im Dorf und Ronald Rettenberger kümmert sich um die Aufstellung der Pumaträger. Angeführt wird der Zug zum Funkenplatz von Reitern - den Herolden. Denen folgt die Harmoniemusik begleitet von zwei Musikpuma, dann kommt der Wagen der Funkenzunft und dahinter die Pumaträger - den Abschluss bildet stets die Puma mit dem Motiv der „Spinnerin“. Und so bewegt sich der festliche Zug aus leuchtend bunten Bildern durch die Abenddämmerung.

Die Motive der Puma sind vielseitig - sie reichen vom Fischer, der Zahnweh hat, über die die „Bürscher Krott“ bis hin zur „Spinnerin“. Das Restaurieren erfordert viel Geschick.Ronald Rettenberger und die anderen Mitglieder des „Bürscher Fasnatvereins“ hatten dieser Tage viel zu tun.

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