Vor Schlussplädoyer
Breivik: “Nicht nur die Opfer – auch ich bin traumatisiert”
Es sei "eine Schande", dass nicht über das Trauma gesprochen worden sei, die Kultur des eigenen Volkes und die eigene Religion weggenommen zu bekommen und nichts dagegen tun zu können, sagte Breivik. Es sei zudem traumatisierend, "als Rechtsextremist abgestempelt" und "dämonisiert" zu werden, so Breivik weiter.
Angehörige empört
Bei den Zuschauern im Gerichtssaal, unter denen sich auch Angehörige von Opfern befanden, lösten Breiviks Äußerungen Empörung aus, einige verließen den Saal.
Die emotionale Schilderung von zwei Angehörigen über ihre Traumata hatte Breivik zuvor mit ausdrucksloser Miene verfolgt. "Es ist, als ob jeder von uns zerbrochen ist", schilderte die Angehörige Kirsten Vesterhus vor dem Gericht in der norwegischen Hauptstadt. "Die Familie ist auseinandergerissen", sagte Vesterhus, die bei den Anschlägen ihren 21-jährigen Sohn verloren hatte.
Breivik erschoss im Juli 2011 in einem Jugendlager der in Norwegen regierenden Sozialdemokraten auf der Insel Utöya 69 Menschen. Zuvor hatte er im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen umgebracht. Er hat die Taten gestanden, plädiert aber auf nicht schuldig. Er behauptet, seine Taten seien notwendig gewesen, um gegen die angebliche Islamisierung Norwegens und das "multikulturelle Experiment" der Regierung zu kämpfen.
Urteil im Juli oder August
Sollte er für straffähig erklärt werden, droht Breivik eine Haftstrafe von 21 Jahren. Erklärt ihn das Gericht für unzurechnungsfähig, wird er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Breivik selbst beharrt darauf, straffähig zu sein, da er vermeiden will, dass die Anschläge als die Taten eines Wahnsinnigen abgestempelt werden.
Am Donnerstag und am Freitag werden im Prozess noch Plädoyers von Anklage und Verteidigung gehalten. Das Urteil soll am 20. Juli oder am 24. August gesprochen werden.
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