Kampf gegen Armee

Die Revolution auf dem Tahrir-Platz ist noch nicht vorbei

Ausland
19.06.2012 14:56
"Wir sind bereit, die Revolte wieder zu entfachen", sagt Marwan Adel. Der 30-jährige Lehrer kommt wie zahlreiche andere Aktivisten regelmäßig auf den symbolträchtigen Tahrir-Platz, wo Massenproteste im Februar 2011 Hosni Mubarak, Ägyptens Ex-Machthaber, aus dem Amt getrieben haben. Noch immer stehen hier symbolisch Zelte von Oppositionellen. Sie zeigen damit, dass sie weiter für die Errungenschaften der Revolution einstehen - gerade jetzt, wo sich der Oberste Militärrat weitreichende Machtbefugnisse gesichert hat.

Seit Monaten schon steht der Oberste Militärrat, der seit dem Sturz Mubaraks in Ägypten das Sagen hat, in der Kritik. Die schlimmste Befürchtung ist in diesen Tagen so präsent wie selten zuvor: Will der Militärrat um jeden Preis an der Macht festhalten? Immerhin haben die Militärs am Samstag inmitten einer politischen Krise das von den rivalisierenden Islamisten dominierte Parlament aufgelöst und sich tags darauf bis zu den Neuwahlen die Kontrolle über die Gesetzgebung und den Haushalt gesichert. Zudem gewährte das Justizministerium der Armee das Recht, Zivilisten festzunehmen.

"Armee wird immer dem Tahrir-Platz gegenüberstehen"
Ein Machtmonopol aufseiten der Armee entspricht ganz und gar nicht dem Geist der Revolution vom Tahrir-Platz. "Die Armee wird immer dem Tahrir-Platz gegenüberstehen", macht der junge Aktivist Adel seine Bereitschaft klar, dem Militär auch weiterhin die Stirn zu bieten. "Die Armee hat das Land und seine Revolution geschützt, es ist schade, dass sie jetzt darauf beharren, die Revolution zu beschlagnahmen", pflichtet ihm sein Mitstreiter Magdy bei. "Das lassen wir nicht zu."

Unter den Aktivisten, die auf dem Tahrir-Platz weiterhin für Demokratie kämpfen, ist die Enttäuschung über die Entwicklung des Landes seit der Revolution vor 16 Monaten besonders zu spüren. Die Stichwahl um das Präsidentenamt am Sonntag habe er boykottiert, sagt Adel. Der Grund ist leicht auszumachen: Für die Jugendbewegung boten weder der Muslimbruder Mohammed Mursi noch der frühere Regierungschef Ahmed Shafik aus der alten Führungsriege um Mubarak die Aussicht auf ein neues Ägypten. Viel zu weit entfernt sind deren Ideale von denen der jungen Demonstranten.

Doch wer auch immer am Donnerstag mit der Bekanntgabe der Wahlergebnisse zum neuen Präsidenten erklärt wird, der Ärger der Protestbewegung richtet sich vor allem gegen den Chef des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi. "Meine Botschaft an Tantawi lautet: 'Sie können jeden Trick anwenden, um Macht zu erhalten, aber seien Sie sich bewusst, dass die Jugend der Revolution immer noch hier ist.'" Die Aktivisten auf dem Tahrir-Platz machen weiter für die Errungenschaften ihrer Revolution mobil.

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