Ein Kommentar von „Salzburg-Krone“-Chefredakteur Claus Pándi.
Markus Hinterhäuser mag nichts mehr zu der merkwürdigen Absetzung von Michael Sturmingers „Jedermann“ sagen. Muss der Festspiel-Intendant auch nicht. Das machen ohnehin andere. So wie der eher unsanft vom Salzburger Domplatz geschubste „Jedermann“ Michael Maertens.
Der große Schauspieler machte aus seiner Kränkung kein Geheimnis. Gegenüber dem „Kurier am Sonntag“ sagte Maertens etwa, dass er einfach stinksauer sei. Die Art, wie man mit ihm und dem „Jedermann“-Team umgegangen ist, sei „wahnsinnig unprofessionell, ungehörig und ungeschickt“ gewesen. Verbittern wolle er sich davon jetzt allerdings nicht lassen.
Unwürdige Absetzung
Und über die „Presse“ ließ Maertens gestern der Leitung der Festspiele auch noch ausrichten, dass der Vorgang, wie die Absetzung des „Jedermann“ an die Öffentlichkeit gedrungen ist, einfach unwürdig gewesen sei. Er fühle sich außerdem darum betrogen, zu beweisen, dass er den „Jedermann“ gut könne. Auch seine Vorgänger hätten doch die Möglichkeit gehabt, sich von Jahr zu Jahr zu verbessern.
Das wird nun nicht mehr passieren. Dafür ist etwas anderes passiert: eine Verletzung, eine Verstörung.
Künstler sind ganz besonders sensible Menschen. Das müssen sie auch sein. Anders könnten sie ihren Beruf nicht machen. Zumindest nicht erfolgreich. Gerade Markus Hinterhäuser, nicht nur ein begnadeter Intendant, sondern selbst ein höchst sensibler Pianist, sollte darum wissen.
Eine von vielen Episoden, die zu den Akten wandert
Dass der „Jedermann“ von Michael Sturminger trotz mehrfacher Anläufe nicht und nicht das Gelbe vom Ei werden wollte, tut da am Ende nichts zur Sache. Abschiede müssen stilvoll über die Bühne gebracht werden. Mehr noch als Anfänge. Zu Beginn ist meistens alles leicht und schön.
Die unschönen Ereignisse um den „Jedermann“ könnten nun tatsächlich als eine von vielen Episoden aus dem Festspielbezirk ad acta gelegt werden. So einfach geht das allerdings nicht mehr. Dringen doch seit einiger Zeit mehr und mehr wenig elegant klingende Geräusche aus dem Maschinenraum des Festspielbetriebs nach außen. Noch nicht derart laut, dass das treue und teure Publikum davon viel bemerken würde. Aber nichts liebt die Gesellschaft so sehr wie Tratsch. Da macht alles schnell die Runde. Worüber sonst sollte man sich denn an den langen Winterabenden unterhalten? Und so verbreiten sich oft, unabhängig vom Wahrheitsgehalt, die wildesten Geschichten.
Das gehört freilich auch zum Festspielerlebnis. Allerdings sollten diese Seltsamkeiten nicht das wunderbare Programm trüben, das Markus Hinterhäuser für den kommenden Sommer wieder einmal gekonnt entwickelt hat.
Eine schlechte Nachrede ist da wenig hilfreich. Die Salzburger Festspiele sind nicht nur ein Hochamt der Kultur. Auch wenn es einige ungern laut sagen, weil unfein: Die Festspiele sind mit einer Wertschöpfung von weit mehr als 200 Millionen Euro ein wichtiger Betrieb. Und Sponsoren sind wie scheue Rehe.
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