"Tag des Bodens"

Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern

Ausland
30.03.2012 20:55
Zehntausende Palästinenser und pro-palästinensische Aktivisten aus aller Welt haben am Freitag bei einem symbolischen "Marsch auf Jerusalem" gegen die israelische Siedlungspolitik in Jerusalem und im Westjordanland demonstriert. Im Gazastreifen erschossen am sogennanten "Tag des Bodens" israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben einen Jugendlichen. Mindestens 100 Menschen wurden verletzt.

Die israelische Polizei und Armee war wegen der angekündigten Proteste in Alarmbereitschaft versetzt worden. Zu Gewaltausbrüchen kam es an Kontrollposten im besetzten Westjordanland nördlich und südlich von Jerusalem. Zusammenstöße gab es auch an den Toren zur Jerusalemer Altstadt, wo sich die berühmte Al-Aksa-Moschee befindet, in Bethlehem und in Hebron. Palästinenser wendeten sich teils mit Steinen gegen das israelische Militär, das wiederum Tränengas und teilweise auch Gummigeschoße einsetzte.

Der "Tag des Bodens" erinnert an Landenteignungen israelischer Araber durch die israelische Regierung im Jahr 1976, in deren Folge sechs palästinensische Demonstranten von israelischen Sicherheitskräften getötet wurden.

Zahlreiche Proteste auch im Ausland
Auch außerhalb von Israel und Palästina fanden als Teil eines "Globalen Marschs auf Jerusalem" Proteste statt. So etwa im Libanon, wo neben rund 200 ausländischen Aktivisten auch einige Österreicher am "Marsch" teilnahmen und in Jordanien. In beiden Ländern verliefen die Kundgebungen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und blieben friedlich. Auch in Städten in den USA, Kanada, Australien und Europa fanden Aktionen statt - am Nachmittag auch in Wien.

Das zentrale Thema der Proteste war Landenteignung von Palästinensern durch den israelischen Staat. In vielen palästinensischen Dörfern im Westjordanland, wo neben 2,3 Millionen Palästinensern rund 300.000 Israelis in Siedlungen leben, die nach internationalem Recht illegal sind, ist der Zugang zu Land weiterhin ein großer Konfliktpunkt.

Die ungelöste Frage eines Palästinenser-Staates
Der in Israel wegen der Organisation von Selbstmordanschlägen eine lebenslange Haftstrafe verbüßende Führer der Palästinenser-Bewegung Fatah, Marwan Barghouthi, hatte bereits am Montag zu einer neuen Welle des zivilen Widerstands angesichts der jahrzehntelang ungelösten Frage eines eigenen Palästinenser-Staates aufgerufen.

Die Siedlungsfrage und der Status von Ostjerusalem sind Hauptstreitpunkte im Nahost-Friedensprozess. In Siedlungen in den von Israel besetzten Gebieten leben mehr als eine halbe Million Israelis. Israel hat am Montag die Beziehungen zum UNO-Menschenrechtsrat abgebrochen, nachdem dieser eine Untersuchung der israelischen Siedlungspolitik angekündigt hatte.

Die Vereinten Nationen, die USA und die EU hatten zuletzt israelische Pläne für neuen Siedlungsbau im Westjordanland und in Ostjerusalem kritisiert. Die Palästinenser wollen Ostjerusalem zur Hauptstadt einen künftigen eigenen Staats machen. Israel besteht darauf, dass Jerusalem nicht geteilt werden darf.

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