Bei Kuba-Besuch

Papst sprach mit Fidel Castro über Gott und die Welt

Ausland
29.03.2012 07:11
Mit einem Treffen mit Ex-Präsident Fidel Castro in Havanna ist am Mittwoch der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Kuba zu Ende gegangen. Sie hätten ein rund halbstündiges Gespräch geführt, das herzlich gewesen sei, sagte Papst-Sprecher Federico Lombardi. "Es war eine sehr lebendige Diskussion, ein echter Meinungsaustausch." Vor allem Castro stellte demnach Fragen - und der Papst antwortete.

Castro habe dem Papst mehrere Fragen gestellt, um dessen Meinung zu bestimmten Themen zu hören, erklärte Lombardi. Der ehemalige Jesuitenschüler und spätere Revolutionsführer widme sein Leben heute "der kulturellen Reflexion über die heutige Welt". Castro habe dem Papst drei Fragen gestellt: Er habe ihn auf die liturgischen Änderungen bei der Messe angesprochen, woraufhin das katholische Kirchenoberhaupt ihm den Sinn der Änderungen erläutert habe. "Dann fragte Fidel Castro: 'Was macht ein Papst, was sind seine Mission und sein Aufgabe?'."

Schließlich habe Castro in seiner dritten Frage die Schwierigkeiten der heutigen Zeit angesprochen - die Probleme der Wissenschaft und die Schwierigkeiten der Religion, Antworten auf die Herausforderungen der Moderne zu finden. Der Papst habe erwidert, die Menschheit stoße "auf Schwierigkeiten wegen der Abwesenheit Gottes". Benedikt XVI. habe in dem Zusammenhang seine Gedanken erläutert zur Frage des Verhältnisses von Glaube und Vernunft sowie von Freiheit und Verantwortung.

Zum Abschluss habe Castro den Papst um einige Bücher gebeten, um weitere Klärungen zu den Themen des Gesprächs zu bekommen. Der Papst werde nun darüber nachdenken, welche Bücher er dem Revolutionsführer zukommen lasse wolle, so Lombardi.

Kritik an US-Embargo gegen Kuba
Schließlich kritisierte Benedikt XVI. noch das US-Embargo gegen den sozialistischen Karibikstaat. Gleichzeitig forderte Benedikt bei seinem Abschied auf dem Flughafen von Havanna die kubanische Regierung indirekt auf, alle Kubaner an der Erneuerung ihrer Gesellschaft zu beteiligen. "Niemand sollte durch die Einschränkung seiner Grundfreiheiten daran gehindert werden, an dieser spannenden Aufgabe teilzunehmen, und keiner fühle sich ausgeschlossen durch Nachlässigkeit oder Mangel an Ressourcen - eine Situation, die sich verschärft, wenn von außen auferlegte restriktive wirtschaftliche Maßnahmen schwer auf der Bevölkerung lasten", erklärte er, ohne die USA namentlich zu benennen.

Treffen kurzfristig angekündigt
Fidel Castro hatte die Begegnung, die nicht Teil des offiziellen Programms war, kurzfristig angekündigt. "Gerne werde ich Seine Exzellenz Papst Benedikt XVI. begrüßen", hatte der historische Revolutionsführer in einem Kommentar geschrieben. "Er ist ein Mensch, bei dem der Kontakt mit den Kindern und den ärmlichen Bürgern des Volkes unveränderlich Gefühle der Zuneigung geweckt hat. Deshalb entschied ich, ihn um einige Minuten seiner sehr knappen Zeit zu bitten." 

In dem Kommentar hatte Castro auch ausgeführt, er sei in den 1960er-Jahren zu der Überzeugung gekommen, dass Marxisten und Christen gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit kämpfen sollten.

300.000 Menschen bei Abschlussmesse
Vor dem Besuch bei Fidel Castro hatte Benedikt XVI. vor etwa 300.000 Menschen die Abschlussmesse seiner Kuba-Reise zelebriert. Hunderttausende Gläubige besuchten die Messe auf dem Platz der Revolution. Der Gottesdienst ist der zweite mit dem katholischen Kirchenoberhaupt während seines Besuchs in Kuba.

Am Dienstagabend war der Papst mit Präsident Raul Castro, dem Bruder und Nachfolger Fidels, zusammengetroffen. Bei dem 40-minütigen Meinungsaustausch im Palast der Revolution sei unter anderem über die humanitäre Lage in Kuba gesprochen worden, nicht aber über konkrete Fälle politischer Gefangener, berichtete Papst-Sprecher Lombardi. 

Wiedereinführung des Karfreitag gefordert
Ferner habe Benedikt XVI. von Raul Castro auch die Wiedereinführung des Karfreitags als gesetzlichen Feiertag erbeten, sagte Lombardi. Bis jetzt gebe es aber noch keine Antwort des Präsidenten. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte Fidel Castro während seines Besuchs auf der Karibikinsel im Jahr 1998 um die Wiedereinführung des Weihnachtsfeiertages gebeten. Der Revolutionsführer erfüllte diesen Wunsch damals.

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