Di, 21. August 2018

"Keine Verjährung"

19.03.2012 11:59

Missbrauch: Neue Klage gegen Kloster Mehrerau im Ländle

Das Bregenzer Zisterzienser-Kloster Mehrerau sieht sich mit einer weiteren Zivilgerichtsklage eines ehemaligen Internatsschülers konfrontiert. Der Kläger - er soll in dem Kloster Opfer sexueller Gewalt geworden sein - verlangt 135.000 Euro an Schmerzensgeld und Verdienstentgang, außerdem solle das Kloster auch für zukünftige Schäden haften. Der damalige Abt des Klosters erkärte unterdessen, er habe sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe 1982 gehandelt und den mutmaßlichen Täter suspendiert.

Der Kläger wird von mindestens 20 ehemaligen Mitschülern unterstützt: Es sei in den vergangenen Monaten klar geworden, dass in Schule und Internat des Klosters Mehrerau über rund 15 Jahre hinweg sexuelle Gewalt an Schülern ausgeübt worden sei, erklärte Philipp Schwärzler als Sprecher der Gruppe.

"Sexualstraftäter arbeitete mit Kindern"
Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Priester, der bereits 1967 wegen Missbrauchs von Minderjährigen strafrechtlich verurteilt worden sei. Dennoch habe das Kloster den Pater bis 1982 weiterhin in der Jugendarbeit eingesetzt. "Das Kloster hat den verurteilten Sexualstraftäter mit Kindern und Jugendlichen arbeiten lassen, daher steht es unserem Verständnis nach auch in der Verantwortung", sagte Schwärzler.

Die Gruppe beruft sich unter anderem darauf, dass die Verjährung im Falle ihres Mitschülers nicht greife. "Nachdem die letzte sexuelle Gewalthandlung an dem Mann im März 1982 erfolgte, wurde die Klage noch rechtzeitig vor der 30-jährigen absoluten Verjährungsfrist eingebracht", erklärte dazu Rechtsanwalt Sanjay Doshi, der den Mann vertritt.

"Aus heutiger Sicht war es nicht genug"
Zu den Vorwürfen meldete sich am Montag auch Kassian Lauterer - er war zur damaligen Zeit Abt des Bregenzer Zisterzienser-Klosters Mehrerau - zu Wort: Er erklärte, 1982 von den Eltern des nunmehrigen Klägers über den sexuellen Missbrauch ihres Sohnes durch den Pater informiert worden zu sein. Er habe den Geistlichen daraufhin sofort aus dem Schuldienst entfernt, als Priester suspendiert und versetzt. Daraufhin hätten die Eltern auf eine Anzeige gegen den Pater verzichtet. Er sei sich damals sicher gewesen, richtig zu handeln, aber: "Aus heutiger Sicht war es nicht genug", so der Alt-Abt.

"Ich bitte um Verzeihung"
Lauterer betonte, dass sein 1968 verstorbener Vorgänger Heinrich Groner mögliches Wissen über sexuellen Missbrauch bzw. über eventuelle Verurteilungen nicht an ihn weitergegeben habe, zudem hätte es auch in den Personalakten keinerlei Unterlagen oder Hinweise gegeben. "Zur damaligen Zeit war es bedauerlicherweise üblich, dass über derartige Ereignisse geschwiegen wurde", sagte Lauterer.

Er verurteile jeglichen Missbrauch und Übergriffe in der Vergangenheit. "Ich bedaure zutiefst, was jungen Menschen angetan wurde. Es erfüllt mich mit Scham", so Lauterer, der das Kloster Mehrerau von 1968 bis 2009 leitete. Wenn es dem Opfer möglich sei, "bitte ich um Verzeihung", sagte der Alt-Abt.

57-Jähriger fordert vom Kloster 200.000 Euro
Eine erste Zivilgerichtsklage gegen das Kloster Mehrerau ist im Jänner bekannt geworden (siehe Infobox). Ein heute 57-Jähriger, der eigenen Angaben zufolge in den 1960er-Jahren von demselben Pater vergewaltigt wurde, fordert vom Kloster 200.000 Euro. Das Kloster steht allerdings auf dem Standpunkt, nicht für das vorsätzliche Handeln einzelner Mitglieder zu haften.

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